Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Johler, Birgit: Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche : erste Einblicke in eine neue Wiener Museumsgeschichte
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2008, Heft 3

Das ÖMV in Zeiten politischer Umbrüche

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merksamkeit. Wissenschafterinnen, Wissenschafter und Museums-leute bereisten die eben eroberten Gebiete. In Wien wurde von Kum-merlöwe und seinen Kollegen im Museumsverbund bereits im Okto-ber 1939 fieberhaft an einer Sonderschau über das eben erobertePolen gearbeitet. 95 Daneben wurden neue Zielgruppen für die Museenformuliert und gerade von Haberlandt Vorschläge für eine ,, sinnvolleZusammenarbeit zwischen HJ und den Museen eingebracht. DerDirektor hatte schon durch das vor 1938 am Haus virulent gewordeneund auch vom Deutschen Schulverein Südmark propagierteForschungsfeld, Grenzland bzw. Grenzräume mit seinem kon-kreten ,, Grenzlanddienst Erfahrung in der Jugendarbeit." In Zusam-menarbeit mit dem ,, Schulverein Südmark" war in den 1930er Jahrengar eine Schau über geleistete Kulturarbeit in den Räumen desMuseums veranstaltet worden, aus diesem Anlass hatte Haberlandtauch in seinen eigenen Sammlungen eine Umstellung vorgenommen,um Kultur und Volkstum im Grenzraume Österreichs zur Ver-anschaulichung zu bringen. Ein Begleitprogramm von Jugendgrup-pen des Deutschen Schulvereins sorgte für Verlebendigung vonLied, Spiel und Tanz.98 Mit der Einrichtung einer Heimstube für dieHJ in seinem Museum und der Abhaltung von Schulungs- undÜbungsabenden in zwangloser Atmosphäre suchte er nun die heran-

95 Arthur Haberlandt an den Verlag S. Hirzel, 25.10.1939, ÖMV, Ktn. 26, Biblio-thek.

96 Arthur Haberlandt an die Reichsstelle Süd- Ost und Gebiet Wien der Reichs-jugendführung, 3.4.1939, ÖMV, Ktn. 25, Museum.

97 In den 1930er Jahren hatten Jugendliche aus der Stadt im Rahmen des, Grenz-landdienstes" analog zu ähnlichen Organisationen im nationalsozialistischenDeutschland bei der Erntearbeit geholfen, vorzugsweise in gemischtsprachigenGrenzregionen des Burgenlands, Kärntens und Niederösterreichs, Regionen alsomit Nationalitätenkonflikt, zur ,, Festigung des Deutschtums( Gehmacher, Jo-hanna: Jugend ohne Zukunft. Hitler- Jugend und Bund Deutscher Mädel inÖsterreich vor 1938. Wien: Picus 1994, S. 370).

Herbert Nikitsch führt diesbezüglich auch den österreichischen Wandervogel an,der noch zu Zeiten der k.u.k.- Monarchie Volkstums- und Grenzlandarbeit leisteteund schon damals zu Organisationen wie dem Schulverein Kontakt hielt. SpätereVolkskundler wie Viktor Geramb oder auch Karl Haiding kamen als Jugendlichemit dieser national- romantischen Jugendbewegung in Verbindung( Nikitsch[ wieAnm. 2], S. 197f).

98 Arthur Haberlandt, o.J.( vermutlich 1935), Ktn. 21, Sammlung/ Leihgaben.