Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Johler, Birgit: Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche

  
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Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche : erste Einblicke in eine neue Wiener Museumsgeschichte
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Birgit Johler

ÖZV LXII/ 111

zeuge, Möbel, Hausrat, Wert- und Kunstgegenstände zu veräußern.Die ,, Arisierung der Kunstgegenstände sollte über den Kunsthandelerfolgen, dem Staat und den Museen stand jedoch ein ,, Vorerwerbs-recht" auf jene Objekte zu, die von besonders historischem, kulturel-lem oder lokalem Interesse zeugten." Im Zuge dieser Vorgänge warendie Funktionäre von den NS- Machthabern befähigt worden, Ansprü-che zu stellen und Objekte vorauszuwählen.72 Unzählige ,, Erwer-bungen kamen über das Institut für Denkmalpflege als Raubgut indie Museen, darüber hinaus fanden die beschlagnahmten Wert- undKunstgegenstände auch via Antiquitätenhandel bzw. über das WienerAuktionshaus Dorotheum ihren Weg in die Wiener Museen.73

Auch dem Museum für Volkskunde brachten die neuen Machtverhält-nisse Spezialzugriffe auf bestimmte Objekte bzw. Sonderförderungen,explizit angewiesen ,, zur Erwerbung von Notverkäufen und Sicher-stellung jüdischer Sammlungen.74 So konnte Haberlandt im Februar1939 im Zuge der Umsiedlung ganzer Ortschaften im Waldviertel fürdie Errichtung eines Truppenübungsplatzes eine zweitägige Fahrt nachAllentsteig und Umgebung unternehmen, um vor Ort solche ,, Notver-käufe zu erwerben.75 Im Kriegsjahr 1942 etwa suchte der Direktor umeinen Sammlungszuschuss von RM 3.000,- für Spezialankäufe ,, ausdem Altreich" an. Auf diesem Gebiet, so Haberlandt werbend ,,, be-dürfen die Sammlungen des Museums lediglich sinngemäßer Aufrun-dung um zu einer Sonderschau, Volkskunst aus dem Altreich führen zukönnen. Eine solche hatte er für das Frühjahr 1943 angedacht, aller-

71 Ebda.

72 Vgl. Schwärzler, Monika: Objekte wie du und ich. Anmerkungen zu ArnoGisingers fotografischer Präsentation von Objekten. In: Barta- Fliedl, Ilsebill,Herbert Posch( Hg.): inventarisiert. Enteignung von Möbeln aus jüdischemBesitz. Wien: Turia+ Kant 2000, S. 59.

73 So berichtet Arthur Haberlandt am 8.7.1942 an das Generalreferat fürKunstförderung, Staatstheater, Museen und Volksbildung, dass sich ,, beachtlicheAnkaufsmöglichkeiten im Wiener Antiquitätenhandel ergeben[ haben], die lau-fend ausgenützt werden können. Arthur Haberlandt an Reg.Rat Dr. Berg,8.7.1942, ÖMV, Ktn. 29, Erlässe. Vgl. auch Bailer- Galanda, Brigitte, Eva Blim-linger: Vermögensentzug Rückstellung Entschädigung. Österreich138/ 1945-2005.(= Österreich- Zweite Republik. Befund, Kritik, Perspekti-ve, 7). Innsbruck, Wien, Bozen: Studienverlag 2005, S. 26f.

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74 Arthur Haberlandt an Dr. Kajetan Mühlmann, 10.9.1938, ÖMV, Ktn. 24, Samm-lung/ Leihgaben.

75 Verwendungsnachweis, vermutlich 21.3.1939, ÖMV, Ktn. 25, Museum/ Ankaufvon Sammlungen.