2008, Heft 3
Das ÖMV in Zeiten politischer Umbrüche
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ren hatte die Museumsspitze allen Grund zu Optimismus: VielseitigeAktivitäten und Werbetätigkeit sowie eine merkbar gesteigerte An-teilnahme seitens der Bevölkerung an den Belangen der Volkskundeverdrängten Erinnerungen an die Depression früherer Jahre.30
Bei der Bestimmung der inhaltlichen Ausrichtung des Museums inden Jahren des Austrofaschismus ist die offizielle staatliche Traditi-onslinie, die gelenkte Aufmerksamkeit auf das Ländlich- Bäuerlichezu berücksichtigen. Die Restauration österreichischer Landschaft undLebensweise der ländlichen Bevölkerung war Bestreben der stadt-bzw. wienfeindlichen Austrofaschisten, mit Vorliebe bauten sie Aus-flugsstraßen, auf den Kahlenberg, auf die Hohe Wand oder auf denGroßglockner. Neben offensichtlichen ökonomischen Aspekten las-sen sich diese infrastrukturfördernden Maßnahmen auch als ideolo-gische Bemühungen um die Gesundung der als„, erkrankt“ bzw.,, entfremdet" charakterisierten Städter lesen.31 Auch die Beschwö-rung Österreichs als„, Hort deutschen Geistes und deutscher Kul-tur 32, des Österreichers als den ,, besseren Deutschen“ 33, weil katho-lisch und kulturell höherstehend, war Zutat der ausgerufenen ,, Öster-reich"-Ideologie. Konstruktionen wie diese sollten der Aufrechterhal-
30 Hierzu sei folgende Episode aus den frühen 1930er Jahren angeführt: Im Herbst1932 erreichte die Mitglieder des Vereins der Österreichischen Heimatgesell-schaft, ideell und räumlich dem Museum für Volkskunde verbunden, ein Schrei-ben, in welchem jedes Mitglied um seine aktive Museumsmitarbeit ersuchtwurde. Auf Grund der ,, schlechten Verhältnisse“, der ,, empfindlichen Streichungder staatlichen Unterstützung, schwacher Besuche usw." befinde sich das Muse-um in einer ,, misslichen Lage“. Die Vereinsmitglieder wurden angehalten, durch,, Arbeitsgemeinschaften von Ausstellungen, Vorführungen usw." dem Museum,, Hilfe zu bringen“. Schreiben an die Mitglieder des Vereins der ÖsterreichischenHeimat- Gesellschaft, Oktober 1932, ÖMV, Ktn. 18, Verein/ Mitglieder/ Sit-
zungen.
31 Eröffnungen der Ausflugsstraßen wurden zu reinen Propagandaveranstaltungendes Austrofaschismus, die Straßen selbst waren durch die Errichtung von Doll-fuß- Kapellen,-Materln,-Kreuzen etc. auch als Gedächtnisorte für den von denNationalsozialisten ermordeten Kanzler konzipiert( Klösch, Christian: Die Kon-zeption der ,, Dollfuß- Straße“ im Austrofaschismus am Beispiel der Packstraße.In: Austrofaschismus 4/99. Hg. v. Verein Gedenkdienst, http: //www.gedenk-dienst.at/fileadmin/zeitung/gd1999-4.pdf, zuletzt aufgerufen am 26.06.2008).32 Der Bundeskulturrat in seiner 20. Sitzung, o.J., hier zit. in: Amann, Sirikit M.:Kulturpolitische Aspekte im Austrofaschismus( 1934–1938) unter besondererBerücksichtigung des Bundesministeriums für Unterricht. Phil. Diss., Univ. Wien1987, S. 149.
33 Staudinger( wie Anm. 25), S. 48.