Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Johler, Birgit: Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche : erste Einblicke in eine neue Wiener Museumsgeschichte
Einzelbild herunterladen
 
  

236

Birgit Johler

ÖZV LXII/ 111

schon 1933 verboten worden, mit der sukzessiven Ausschaltung derSozialdemokratie und ihrer Verbände 1934- dies bedeutete auch dasEnde des Roten Wien- wurde die letzte Opposition und zugleich dasletzte Hindernis zur Errichtung eines autoritären Herrschaftssystemsbeseitigt. 24 Auf gesellschaftlicher Ebene erfasste die ausgerufene,, austrofaschistische, Österreich-Ideologie 25 in ihrem Selbstver-ständnis und in ihrer Zielsetzung und unter Mithilfe der katholischenKirche die Sozialisationsinstanzen des täglichen Lebens, also Schule,Bildung, Kultur, Sport, Medien etc. ebenso wie auch persönlicheHandlungsspielräume.26

Das Museum für Volkskunde in Wien vermerkte im Jahr 1934 nachJahren rückläufiger staatlicher Aufmerksamkeit eine deutlicheBesserstellung., Die bedeutungsvollen Umwälzungen im Staatsauf-bau Oesterreich, so Arthur Haberlandt hoch erfreut im Jahresbericht1934 ,,, die sich im Berichtsjahr vollzogen haben, haben sich auch imWirkungskreis unseres Vereins und Museums mehrfach ausge-wirkt. 27 Neue Ansprechpartner, auch bei der Stadt Wien, ermöglich-ten ,, im Zuge eines Sofort- Programms größere und längst notwen-dige Hausrenovierungen. Als weitere ,, unmittelbare bedeutsame Fol-ge der Ereignisse des Jahres 1934 wurde die Anbindung der 1928gegründeten Österreichischen Heimatgesellschaft an das Museumgesehen. Durch das Verbot der Sozialdemokratie aufgelöste Arbeiter-trachten- und Volkstanzvereine wurden offenbar zum Teil in dieHeimatgesellschaft übergeführt28 und brachten dem Museum so ,, ei-nen Interessentenkreis von nahezu 3000 für unsere Volkssache warm-herzig eingenommene Personen 29. Auch in den nachfolgenden Jah-

Austrofaschismus. In: Tálos, Neugebauer( wie Anm. 22), S. 126ff.

24 Maderthaner, Wolfgang: 12. Februar 1934: Sozialdemokratie und Bürgerkrieg.In: Steininger, Rolf, Michael Gehler( Hg.): Österreich im 20. Jahrhundert. Bd. 1:Von der Monarchie bis zum Zweiten Weltkrieg. Wien, Köln, Weimar: Böhlau1997, S. 177f; Tálos, Neugebauer( wie Anm. 22), S. 18ff.

25 Staudinger, Anton: Austrofaschistische Österreich"-Ideologie. In: Tálos, Neu-gebauer( wie Anm. 22), S. 28.

26 Tálos, Neugebauer( wie Anm. 22), S. 413.

27 Haberlandt, Arthur: Jahresbericht des Vereines und Museums für Volkskunde fürdas Jahr 1934. In: Wiener Zeitschrift für Volkskunde 39( 1934), S. 25.

28 Schreiben des Vorstands der Österreichischen Heimat- Gesellschaft an die Ver-einsleitung des Museums für Volkskunde, 16.5.1934, ÖMV, Ktn. 20, Heimat-schutz. Siehe auch Nikitsch( wie Anm. 2), S. 213.

29 Haberlandt( wie Anm. 27), S. 26.