Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Johler, Birgit: Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche : erste Einblicke in eine neue Wiener Museumsgeschichte
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Birgit Johler

ÖZV LXII/ 111

Das Objekt wird Folie für ein bestimmtes Wissen, aber auch für dasZusammenspiel von Entwicklung und Konjunkturen, von Institutio-nen und Instrumenten. 18 Jedoch zielt das geplante Forschungs-vorhaben weniger auf eine Personalhistorie, vielmehr sollen anhandspezifischer Fragestellungen Wirkungszusammenhänge zwischen In-dividuen und Strukturen dargestellt und erklärt werden, die letztlicheine Einschätzung bzw. Wertung erlauben.

Der vorliegende Artikel ist Ergebnis einer ersten Durchsicht der sogenannten Direktionsakten der Jahre 1930 bis 1950 im Österreichi-schen Museum für Volkskunde. Der Beitrag versteht sich als Werk-stattbericht weniger geht es bereits um Analysen als vielmehr umdie Darstellung interner wie externer Determinanten, die Einblickegewähren sollen in strukturverändernde Vorgänge einer Wiener Mu-seumsinstitution.

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2. Nachdenken über Ären und ihre Zeiten

1930 erschien ein von Arthur Haberlandt im Selbstverlag des Vereinsfür Volkskunde herausgegebener Führer durch das Museum fürVolkskunde", 19 der Direktor hatte diesen anlässlich einer notwendiggewordenen Adaptierung der ständigen Aufstellung verfasst. Schonseit geraumer Zeit war im Museum auf Grund der politischen Neuord-nung Mitteleuropas nach dem Ersten Weltkrieg die ,, deutsche Volks-kultur in der Darstellung der ,, deutschen Alpenländer( einschließ-lich romanischer und slawischer Grenzgebiete) 20 immer mehr in denVordergrund gerückt. Hausrat, Wirtschaftsgüter, künstlerische Hau-sindustrie und künstlerisches Handwerk sollten den Museumsbesu-chern und-besucherinnen konkret eine wirtschaftlich und ver-kehrsgeschichtlich bedingte kulturerhaltende Individualität ver-mitteln. Sonderbereiche wie jene zu den ,, Volkstrachten, zu Masken,, in Volksgebrauch und Spiel oder die Abteilung religiöser Volks-kunst und die Bauernstuben aus den Alpenländern ergänzten die

18 te Heesen, Anke, Petra Lutz( Hg.): Dingwelten. Das Museum als Erkenntnisort.Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2005, S. 16f.

19 Haberlandt, Arthur: Führer durch das Museum für Volkskunde. Hg. Vom Vereinfür Volkskunde. Wien: Verlag des Vereines für Volkskunde 1930.

20 Haberlandt, Arthur: Führer durch das Museum für Volkskunde. In: WienerZeitschrift für Volkskunde 35( 1930), S. 83. Nachfolgende Zitate wie dieses.