2008, Heft 3
Das ÖMV in Zeiten politischer Umbrüche
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1913 gegründete volkskundliche Abteilung im Joanneum- findet indieser Arbeit jedoch nur geringe Berücksichtigung. Die Geschichtedes Vereins für Volkskunde als Träger des Wiener Volkskundemu-seums, wiederholt als ,, wichtigster und nachhaltigster Impulsgeberfür die hiesige Volkskunde“ 16 angesehen, hat jedoch Herbert Nikitschausführlich bearbeitet. Entstehung, Programmatik und Entwicklungdes Vereins von seiner Gründung bis in die Zeit der Zweiten Republikwerden von ihm als Spiegel der österreichischen Volkskunde undderen staatspolitische Voraussetzungen analysiert sowie wichtigeFunktionsträger des Vereins- mehrfach gleichzeitig auch Museums-verantwortliche ihre Arbeit und ihr Werdegang beleuchtet. DieInstitution Museum mit ihren zentralen Tätigkeits- und Arbeitsberei-chen Sammeln, Bewahren, Forschen und Ausstellen( inklusive dazu-gehörender Popularisierungsmaßnahmen), ihrem Zusammenspielmit Subventionsgebern und Förderern aber auch mit den wissen-schaftlichen wie politischen Netzwerken und Verflechtungen ist fürdie 1930er und 1940er Jahre jedoch noch weitgehend unbearbeitet.Dies gilt auch für die Zeit nach 1945, als man durch eine personelleNeubesetzung der Führungsspitze seitens des Bundesministeriumsfür Unterricht und einer Neuaufstellung der ständigen Schausamm-lung seitens der wissenschaftlichen Kräfte am Haus eine innereUmkehr signalisieren wollte.
In einem mehrjährigen Forschungsvorhaben soll nun die Geschich-te dieser für die österreichische Volkskunde in der ersten Hälfte des20. Jahrhunderts so zentralen Institution, ihrer musealen bzw. museo-logischen Möglichkeiten und Strategien untersucht werden. Diedurchzuführende Analyse ist eng mit den leitenden Personen desHauses, deren wissenschaftlicher und auch politischer Ausrichtungverknüpft. Denn um mit Helge Gerndt zu sprechen, konkretisiert sich,, nur in Individuen und ihrem individuell gestalteten Werk[...] einAbstraktum, ein wissenschaftliches Fach wie die Volkskunde, undwird so der Analyse zugänglich.“."* 17 Schon ein Hinweis auf die Funk-tion des Kurators/ der Kuratorin macht dies plausibel: Erst durch ihreTätigkeiten werden den Objekten im Museum Kontexte verliehen,werden Einheiten generiert, Wirkungen und Bedeutungen geschaffen.
16 Nikitsch( wie Anm. 2), S. 7.
17 Gerndt, Helge: Volkskunde und Nationalsozialismus. Thesen zu einer notwendi-gen Auseinandersetzung(= Münchner Beiträge zur Volkskunde, 7). München:Münchner Vereinigung für Volkskunde e. V. 1987, S. 18.