Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Johler, Birgit: Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche : erste Einblicke in eine neue Wiener Museumsgeschichte
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Birgit Johler

ÖZV LXII/ 111

den letzten Kriegsjahren arbeiteten auch seine Frau Maria und seineTochter Gertrud- zum Teil ehrenamtlich- im Haus. Maria Haber-landt vertrat zeitweise ihren für Reichsleiter Rosenberg in den neueroberten Gebieten ,, im Einsatz stehenden Ehemann Arthur¹², wäh-rend Tochter Gertrud, ebenfalls Studentin an der Universität Wien, inder Bibliothek aushalf und gegen Ende des Krieges für den Einsatz-stab Rosenberg zur Beihilfe von Bauernhausaufnahmen in denSüdalpen vorgemerkt ¹³ war.

Mit seinen rund 83.000 Inventarnummern umfassenden einzigar-tigen Sammlungen zur Volkskunst und Regionalkultur Österreichsund seiner Nachbarländer sowie mit vergleichenden Sammlungen ausganz Europa, einem gegenwärtigen Bibliotheksbestand von etwa130.000 Bänden und einem ca. 80.000 Nummern umfassenden Fo-toarchiv ist das Österreichische Museum für Volkskunde das vonseinen Sammlungsbeständen her größte ethnographische MuseumÖsterreichs. Die Geschichte des Museums, insbesondere für denVerlauf der politisch kritischen Jahre, ist aus heutiger Perspektivejedoch kaum bearbeitet. Leopold Schmidt hatte zwar als amtierenderDirektor 1960 eine Geschichte des Wiener Museums und zuvor eineAbhandlung über die Österreichische Volkskunde verfasst¹4, beidePublikationen sind allerdings Ergebnis eines mit Verein, Museum undhandelnden Personen in engster Verbindung stehenden Fachvertre-ters. Auch hatte Schmidt vorhandenes Quellenmaterial nicht in seinenPublikationen berücksichtigt. Die jüngst erschienene Biografie zuViktor Geramb( 1884–1958), dem ,, Gründer der, steirischen Volks-kunde15 und Fachkollegen Arthur Haberlandts, folgt dem Wissen-schafter Geramb chronologisch durch die Jahrzehnte seines Schaf-fens. Der Museumsmann Geramb- dieser leitete von Beginn an die

12 Direktion des Museums für Volkskunde an die Verwaltungsstelle für Kunstan-stalten, Theater und Museen, 31.7.1944, ÖMV, Ktn. 31, Brandschutz.

13 Arthur Haberlandt an M. Niedenfuehr, 31.5.1944, ÖMV, Ktn. 31, Wissenschaft-liche Anfragen.

14 Schmidt, Leopold: Geschichte der Österreichischen Volkskunde.(= Buchreiheder Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde, 2). Wien: ÖsterreichischerBundesverlag 1951; Ders.: Das österreichische Museum für Volkskunde. Werdenund Wesen eines Wiener Museums. Wien: Bergland Verlag 1960.

15 Eberhart, Helmut: Vorwort. In: Greger, Michael J., Johann Verhovsek: ViktorGeramb 1884-1958. Leben und Werk.(= Buchreihe der Österreichischen Zeit-schrift für Volkskunde, 22). Wien: Selbstverlag des Vereins für Volkskunde 2007,S. 7.