2008, Heft 3
Das ÖMV in Zeiten politischer Umbrüche
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,, Museum für Volkskunde“ obsolet geworden. Die Inflation brachtedas Haus in existentielle Schwierigkeiten, großzügige Legate einsti-ger Förderer waren wertlos geworden. Die wirtschaftliche Lage bliebbis auf weiteres prekär, erst mit dem Austrofaschismus ab 1933 undvor allem ab 1938 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten,verbesserte sich die Situation, was sich an erhöhten Subventionen,Verbesserung der Infrastruktur oder auch durch vermehrte Samm-lungszugänge, dokumentiert in den Jahresberichten der vom Vereinherausgegebenen„ Wiener Zeitschrift für Volkskunde“, ablesenlässt. Erfuhren andere dem Staat zugeordnete Wiener Museen imZuge neuer Herrschaftsverhältnisse auch eine Veränderung in ihrerpersonellen Führungs, weist das Museum für Volkskunde eine dies-bezügliche Kontinuität bis 1945 auf. Bis zu jenem Zeitpunkt war dasMuseum in den Händen der Familie Haberlandt gewesen: MichaelHaberlandt, passionierter Sammler mit offenbar wenig Zeit für Ord-nen und Inventarisieren, legte den Grundstein für die Sammlung. 10Sohn Arthur, seit 1914 als Privatdozent für Ethnographie zugelassenund nach Olaf Bockhorn der erste eigentliche Vertreter des Faches,, Volkskunde“ an der Wiener Universität," wurde im Jahr 1924 Di-rektor des Museums und 1938,, Vereinsführer“. Anfang der 1940erJahre versuchte Arthur Haberlandt seinen Sohn Wolfgang, Studentund volkskundlich interessiert, für das Museum zu gewinnen, und in
7 Siehe Jahresberichte des Vereines und Museums für Volkskunde für die Jahre1930-1943, veröffentlicht in: Wiener Zeitschrift für Volkskunde, 35( 1930)-49( 1944); vgl. auch Schmidt( wie Anm. 4), S. 78f.
8 So wurde beispielsweise im März 1938 der Generaldirektor des Museums fürVölkerkunde seiner Funktion als erster Direktor enthoben. Michel war denNationalsozialisten bekannt als Anhänger des ,, ständestaatlichen“ Systems.( Li-nimayr, Peter: Wiener Völkerkunde im Nationalsozialismus. Ansätze zu einerNS- Wissenschaft.[= Europäische Hochschulschriften: Reihe 19, Volkskun-de/ Ethnologie: Abt. A, Volkskunde, 42]. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang1994, S. 75).
9 Schmidt( wie Anm. 6), S. 19ff.
10 Allein in den ersten 20 Jahren seit der Museumsgründung wurden 34.909 Objekteim Inventar des Museums vermerkt, das sind rund 40 Prozent der heutigenSammlungsbestände.
11 Bockhorn, Olaf: Von Ritualen, Mythen und Lebenskreisen: Volkskunde imUmfeld der Universität Wien. In: Jacobeit, Wolfgang, Hannjost Lixfeld, OlafBockhorn( Hg.): Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen der deut-schen und österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.Wien u.a.: Böhlau 1994, S. 507.