Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Johler, Birgit: Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche : erste Einblicke in eine neue Wiener Museumsgeschichte
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Birgit Johler

ÖZV LXII/ 111

des Vereins für Volkskunde, während der operative Betrieb so auchdas Personal- vom Bund gesichert wird.

Die Überführung aller Angestellten in den Dienst des Staates isteine Errungenschaft aus dem Jahr 1938. Dem damaligen DirektorArthur Haberlandt war damit ein langer Wunsch in Erfüllung gegan-gen, hatte sein Museum doch seit jeher, insbesondere aber seit Endedes Ersten Weltkrieges, mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.1912 und 1918, noch zu k.u.k.- Zeiten, hatte der Staat zwei wissen-schaftliche Stellen definitiv in seine Obhut genommen², Löhne undGehälter der anderen Museumsmitarbeiterinnen und-mitarbeitermussten aus den Subventionsleistungen des Bundes oder auch derHandelskammer bezahlt werden. Diese, ohnehin immer bedauerns-wert gering, erfuhren in den frühen 1930er Jahren wohl auch alsFolge der weltweiten Wirtschaftskrise nochmals empfindliche Kür-zungen.³

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Die Potentiale des Zusammenwirkens von Staat und Kultur hattebereits Michael Haberlandt erkannt. Mit dem Anspruch, das Museumals ein ,, Monument des Vielvölkerstaates" zu führen, konnte derMuseumsgründer von Beginn an Vertreter des Hauses Habsburg alsProtektoren für den Verein gewinnen und sicherte sich so das Wohl-wollen der Staatsspitze.5 1917 durfte das Museum gar als k.k.Kaiser- Karl- Museum für österreichische Volkskunde geführt wer-den. Mit Kriegsende allerdings war die, politisch- wissenschaftlicheStütze des Staatsgedankens der Monarchie für das nunmehrige

2 1912 wurde Michael Haberlandt ,, allergnädigst zum staatlichen Direktor desMuseums ernannt und 1918 Arthur Haberlandt zum ,, k.k. Kustosadjunkten"( Nikitsch, Herbert: Auf der Bühne früher Wissenschaft. Aus der Geschichte desVereins für Volkskunde 1894-1945.[= Buchreihe der Österreichischen Zeit-schrift für Volkskunde, 20]. Wien: Selbstverlag des Vereins für Volkskunde 2006,S. 347 und 357).

3 Siehe z.B. Jahresbericht des Vereines und Museums für Volkskunde für das Jahr1932. In: Wiener Zeitschrift für Volkskunde 38( 1933), S. 45ff. Im Berichtsjahr1932 wurden die vom Ministerium für Unterricht zugesprochenen Beiträge fürPersonalkosten um rund 40 Prozent gekürzt( Nikitsch[ wie Anm. 2], S. 381).4 Schmidt, Leopold: Das österreichische Museum für Volkskunde. Werden undWesen eines Wiener Museums. Wien: Bergland Verlag 1960, S. 29.

5 Im Gründungsjahr des Vereins 1894 übernahm Erzherzog Ludwig Victor dasProtektorat, ab 1908 Erzherzog Franz Ferdinand( Nikitsch[ wie Anm. 2],S. 320ff).

6 Schmidt, Leopold: Curriculum Vitae. Mein Leben mit der Volkskunde. Wien:Selbstverlag des Vereins für Volkskunde 1982, S. 22.