Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LXII/ 111, Wien 2008, 229-263
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeitenpolitischer Umbrüche
Erste Einblicke in eine neue Wiener Museumsgeschichte¹
Birgit Johler
Die Geschichte des Österreichischen Museums für Volkskun-de in Wien das von seinen Sammlungsbeständen her größtevolkskundliche Museum Österreichs- ist aus heutiger Per-spektive für die Zeit des Austrofaschismus, des Nationalso-zialismus und der ersten Jahre der Zweiten Republik kaumbearbeitet. Der Beitrag gewährt Einblicke in die institutionellebzw. museale Praxis des Hauses vor dem Hintergrund sichändernder politischer Machtverhältnisse und auf Basis einerersten Durchsicht der so genannten Direktionsakten, einemrelativ geschlossenen Aktenbestand im ÖMV.
1. Einführung in ein projektiertes Forschungsvorhaben
Das Museum in der Laudongasse stellt seit Jahrzehnten für dieöffentlichen Subventionsgeber wie auch für die Museumsverantwort-lichen selbst eine Herausforderung dar: Seit 1917 ist das Haus ineinem der Stadt Wien gehörenden Gartenpalais untergebracht, zen-trale museale Bereiche wie die Sammlungen des Hauses, das Fotoar-chiv sowie die umfangreiche Fachbibliothek sind hingegen Eigentum
1 Der vorliegende Beitrag ist Ergebnis eines Forschungsvorhabens, gefördertdurch den Österreichischen Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer desNationalsozialismus und die Stadt Wien- MA 7( Kultur, Wissenschafts- undForschungsförderung). Diese Förderungen ermöglichten eine erste Durchsichtder Direktionsakten des Österreichischen Museums für Volkskunde, ein mehrjäh-riges institutionengeschichtliches Forschungsprojekt ist in Vorbereitung. Dankgebührt den beiden Subventionsgebern, die diesen ersten Arbeitsschritt ermög-licht haben, der Direktion des Museums, Frau HR Dr. Margot Schindler, für dasZurverfügungstellen der Archivalien und für Expertise, diesbezüglich ebensoHerrn o. Univ.- Prof. Dr. Konrad Köstlin. Weiters gedankt sei den beteiligtenMitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ÖMV für freundliche Unterstützungsowie ganz besonders Frau Dr. Christiane Rothländer für wertvolle Hinweise.