Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das „Samson- Fiasco“ 1898 : eine Episode aus der Frühzeit des Volkskundemuseums Wien
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Hans Bayr

ÖZV LXII/ 111

Der ganze Lungau, speziell der Markt Mauterndorf, hatte im Laufedes 19. Jahrhunderts eine Periode wirtschaftlichen Niedergangs hin-ter sich. Die Eisenverarbeitungsindustrie am Ort sowie die Transport-wirtschaft waren eingestellt worden. Damit verbunden waren großeEinbußen im gastgewerblichen Bereich. Auch die Eröffnung derMurtalbahn von Unzmarkt bis Mauterndorf hatte diesen Trend vorerstnoch verstärkt. Mauterndorf sah seine Zukunft im Fremdenverkehr,und folkloristische Originalität war dafür ein bedeutender Werbefak-tor. Unter diesem Aspekt schien der Verkauf des Samson nach Wienin das Volkskundemuseum und die Erwähnung in der Presse ein guterMarketinggag und bedeutete nur ein kleines Zugeständnis, um poten-tielle Wiener Sommerfrischler für einen Aufenthalt zu gewinnen.

Dr. Haberlandt reiste also in der Überzeugung ab, einen interessan-ten Erwerb für sein Museum getätigt zu haben, und Dr. Epenstein ließihn durch den weiter in Mauterndorf urlaubenden BürgerschullehrerJulius Thirring wissen, dass er die gesamten Transportkosten über-nehmen werde.

Am 2. September 1898 erschien ein Beitrag im Feuilleton der,, Neuen Freien Presse und der heutige Leser möge sich zunächstselbst ein Bild machen:

Aus dem Lungau.

Von Dr. M. Haberlandt.

Von den althertümlichen Gaulandschaften Salzburgs mit den schönen,unverständlichen Namen, neben dem gesegneten Pongau und dem herr-lichen Pinzgau ist der rauhe Lungau immer eine Art Aschenbrödel gewe-sen. Natur und Geschichte haben sich zusammengethan, um den hochge-legenen, vielfach unwirthlichen Gau, auf welchen die Tauernkette ihrenfrostigen Hauch herabsendet, als abgeschlossenen Erdenwinkel in Ar-muth und Bescheidenheit zu erhalten. Die grüne, fröhliche Mur ist gleich-sam der einzige Ariadnefaden, der aus dem Bergverliese des Lungau indie freie, offene, gesegnete Welt führt, wo der Wein wächst und diegoldene Brotfrucht wirklich schon im Sommer reift. Sonst haben wir hiernur eine Folge von Hochthälern, denen die Berge sozusagen den Athemverlegen, und die lastende Umwallung des Hochgebirges. Die Luft desLebens ist dünner und die Sonne scheint ferner.

Auf dem Rade rollte ich vor nicht langer Zeit, aus der grünen Steiermarkkommend, dem Lungau zu. Die Mur aufwärts geht die schöne weisseStrasse Hügel auf Hügel ab, und die Gegenwart des traulich plätschern-