Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das „Samson- Fiasco“ 1898 : eine Episode aus der Frühzeit des Volkskundemuseums Wien
Einzelbild herunterladen
 

2008, Heft 3

Das ,, Samson- Fiasco" 1898

211

Eingefädelt wurde der ganze ,, Deal nach der glaubwürdigen Aus-sage des Dr. Haberlandt durch Julius Thirring und Dr. Epenstein. Wieschon erwähnt, hatte dieser früher eine schwere Differenz mit Dr. Ha-berlandt. Gerade zur Aussöhnung dieser Differenz hatte er ihn des-halb während dessen Aufenthaltes im Lungau im Jahr 1898 in seinemHause ,, gastfreundlich empfangen und das spätere Geschenk- Aner-bieten sollte das Bestreben nach freundlicher Gesinnung unter Be-weis stellen" 39. Der Ort des Handels war die Schießstätte bei Mau-terndorf, wo am Nachmittag des 21. August 1898, einem Sonntag, dasKaiser Franz Josef- Gedächtnisschießen stattfand. Schützengesell-schaft und Schießstand gehen ebenfalls auf eine Initiative des Dr. Epen-stein zurück der Schießstand war im selben Jahr gebaut worden-der sich seit seiner Ansiedlung als wahrer Förderer und Gönner desMarktes Mauterndorf erwiesen hatte. Haberlandt dürfte den Ent-schluss zum Erwerb des Samson ziemlich spontan erst auf demSchützenfest gefasst haben. Die beiden Männer, mit denen er schnellhandelseins gewesen zu sein glaubte, waren der Bürgermeister Jo-hann Wassnigg und ein Mitglied des Gemeindeausschusses namensFranz Oschlinger. Die Schilderungen des Vorganges durch beideSeiten gehen nur insoweit auseinander, als Haberlandt glaubte, denHandel mit Handschlag wie beim Viehkauf rechtsverbindlich abge-schlossen zu haben, während sich seine Geschäftspartner daraufberiefen, nur für die Übergabe der Samson- Figur in jeder Weise beiden Verfügungsberechtigten eintreten zu wollen40. Bezeichnend fürdas Verhältnis zwischen dem Volkskundeforscher und den ,, Eingebo-renen ist die Aussage der beiden Bürgerschaftsvertreter, die ver-sicherten ,,, der Handschlag habe nicht die Genossenschaft bindensollen und können, da sie von dieser keinerlei Mandat hatten, sonderner habe nur besagt, daß sie als Mitbesitzer Alles aufzubieten bereitseien, um Dr H.'s Wünschen zum Erfolg zu verhelfen. Die Mautern-dorfer wussten, daß Dr H. ein Feuilleton verfassen wolle. Wegen derSchenkung hofften sie auf Wohlwollen und Objektivität. 41

39 SLA, Nachlass Epenstein, Karton 2, s.d.[ 1899] handschriftl. Konzept HEps an,, Eure Exzellenz"[ Josef Alexander Freiherr von Helfert].

40 Salzburg Museum, Archiv, Korrespondenz 1899, Nr. 1000/ a, Beilage: Abschriftder Erklärung von 28 Bürgern Mauterndorfs vom 15. April 1899.

41 Salzburg Museum, Archiv, Korrespondenz 1899, Nr. 771, 4.4.1899, Berlin, HEPan Direktor Dr. Petter, Salzburg.