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Hans Bayr
ÖZV LXII/ 111
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brachte. Zurückgekehrt legte ich die Eindrücke meiner flüchtigen Fahrt( auf dem Zweirade) durch den Lungau in einem Feuilleton der ‚ NeuenFreien Presse vom 2. September 1898 nieder, in welchem ich mit dersympathischesten Gesinnung wie von mir auch gewiss nicht voraus-zusetzen- von dem Volkstum, wie ich es geschaut, gesprochen habe.‘Der Samson, eine über 5 m hohe Tragefigur, die nur in einigenGemeinden des Lungaues und in der benachbarten steirischen Ge-meinde Krakaudorf existierte, war zum Zeitpunkt des Referates denMitgliedern des Vereines für Volkskunde nicht unbekannt. Bereits im1. Heft des ersten Jahrganges der Zeitschrift für Volkskunde 1895berichtet ein E. Eisler über diesen Brauch in Krakaudorf³5, wobeiauch auf den Samsonbrauch in Tamsweg hingewiesen wurde. Denhistorischen Hintergrund erhellte gleich ein Jahr später ein Artikeldes bekannten Salzburger Historikers Hans Widmann über die Tams-weger Prang mit dem Samson im 18. Jahrhundert³36, in welchem er dieHerkunft des Brauches von den geistlichen Schauspielen nachweist,der vom aufklärerischen Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo( Eb.von Salzburg, 1772-1803) im Jahr 1786 abgeschafft wurde. DasObjekt der Begierde war also dem Sammler und potentiellen Käuferbekannt. Ebenso hatte dieser kundig festgestellt, dass die Figur erstin jüngerer Zeit hergestellt worden war. Besonders der Papiermaché-kopf missfiel ihm. Tatsächlich dürfte zumindest der Kopf der Figurerst zehn Jahre vorher hergestellt worden sein³7, ein Sachverhalt, derbisher in der Forschung nicht berücksichtigt worden ist. Für dieÜberlassung wurde die„ Hergabe eines neuen in Wien angefertigtenSamson und Draufzahlung von 10 fl.“ vereinbart.38
35 Eisler, E.: Der Samson- Umzug in Krakaudorf bei Murau. In: ZföV, I. Jg. 1895,S. 10-11.
36 Widmann, H[ ans]: Die Tamsweger Prang mit dern ,, Samson" im 18. Jahrhundert.Aus der sogenannten ,, Kapuzinerchronik von Tamsweg"- geschrieben vonAndrä Kocher, Reiterbauer in Lasaberg( gest. 19. April 1786). In: ZföV, II. Jg.1896, S. 138-142.
37 Salzburg Museum, Archiv, Korrespondenz 1898, Nr. 2325, 18.12.1898, Salz-burg, Dr. Petter an Bürgermeister Joh[ ann] Wassnigg, Mauterndorf: ,, Wie icherfahren habe, ist der Kopf Ihres Samsons ganz neu u. es wäre mir sehr wün-schenswert zu erfahren, wer denselben gemacht hat." 20.12.1898, Mauterndorf,Bürgermeister Joh[ hann] Wassnigg an Dr. Petter, Salzburg: Teilt mit ,,, daß derKopf in Nürnberg gemacht worden ist die Firma ist uns Allen leider nicht bekannt,da der junge Herr welcher den Kopf besorgt hat, seit 5 Jahren gestorben ist.“38 Salzburg Museum, Archiv, Korrespondenz 1899, Nr. 771, 4.4.1899, Berlin, HEPan Direktor Dr. Petter, Salzburg.