Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das „Samson- Fiasco“ 1898 : eine Episode aus der Frühzeit des Volkskundemuseums Wien
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Hans Bayr

ÖZV LXII/ 111

Veldenstein, Berlin und Mauterndorf. Im Lungau ging er im Frühjahrund Herbst der Jagd nach und verbrachte dort die Sommermonate.1909 erwarb Dr. Epenstein die österreichische Staatsbürgerschaft undlebte nach dem Ersten Weltkrieg ständig in Mauterndorf, wo er am5. Juni 1934 hochbetagt und hochgeehrt starb¹.

Über den Anlass, der den Preußen und Berliner in das damals sehrabgelegene Mauterndorf im Lungau führte, herrscht bis heute keinerestlose Klarheit. Im Jahr 1886 hatte schon der Wiener Hans GrafWilczek( 1837-1922) das benachbarte Schloss Moosham erworbenund vor dem Verfall gerettet, doch dürfte entgegen anderslautenderErzählungen kein Zusammenhang zwischen dem Erwerb der beidenSchlösser bestehen². Eine Überlieferung besagt, dass Dr. HermannEpenstein mit dem Wiener Bürgerschullehrer Julius Thirring( 1858–1940) eng befreundet war. Dieser, ein begeisterter Hochradfahrer,hätte anlässlich einer gemeinsamen Radtour im Lungau im Jahr 1894auf die zum Verkauf annoncierte Burgruine Mauterndorf aufmerksamgemacht. Abgesehen von der Tatsache, dass das Fahren mit demHochrad bei den damaligen Straßenverhältnissen im Lungau als eherunwahrscheinlich und höchst gefährlich einzuschätzen ist, bestandeine lebenslange enge Freundschaft zwischen Epenstein und Thir-ring. Eine Radtour spielt im weiteren Verlauf dieser Erzählung noch-mals eine Rolle, und es ist durchaus möglich, dass ,, Gyula Thirringseinen begüterten Freund Hermann Epenstein auf die zum Verkaufestehende romantische Ruine im schönen Lungau aufmerksam machte.

Wann haben sich der Berliner und der Wiener kennen gelernt?Julius Thirring wurde 1858 in Ödenburg( Sopron) geboren³, besuchtedort die Mittelschule und maturierte im Jahr 1878. Anschließendstudierte er an der Universität Wien vom Wintersemester 1878/79 biszum Wintersemester 1881/82 sowie im Wintersemester 1882/83 Ma-thematik und Physik. Nach eigenen Angaben inskribierte er im Som-

1 Die Daten über Dr. Hermann Epenstein( in weiterer Folge als HEp angeführt)entstammen einer in Niederschrift befindlichen Arbeit des Verfassers.

2 Kinsky- Wilzcek, Elisabeth: Hans Wilczek erzählt seinen Enkeln Erinnerungenaus seinem Leben. Herausgegeben von seiner Tochter. Graz 1933. Epenstein undMauterndorf finden hierin keine Erwähnung.

3 Freundliche Auskunft von Herrn em. Univ. Prof. Dr. Walter Thirring, Wien, am4.10.2007.

4 Ungarisch für Julius; Gyula war der freundschaftliche Rufname Thirrings.

5 Zimmel, Brigitte, Gabriele Kerber( Hg.): Hans Thirring, ein Leben für Physikund Frieden. Wien 1992, S. 11ff.