2008, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Buchanzeige
GREGER, Michael J. und Johann VERHOVSEK: Viktor Geramb 1884–1958. Leben und Werk(= Buchreihe der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde, N.S. Bd. 22). Wien: Selbstverlag des Vereins für Volkskunde,2007, 224 Seiten, s/ w- Abb.
Über Viktor Geramb ist schon viel geschrieben worden. Vor allem an dieStudien von Helmut Eberhart ist da zu denken, und Eberhart ist ja auch derPate des nunmehr vorliegenden„, Entwurfs einer systematischen Biografie[...], die bis heute trotz zahlreicher Sekundärliteratur noch aussteht“( Vor-wort, Eberhart, S. 8). Dieser Versuch fußt auf der Auswertung des Ge-rambschen Familienarchivs, das im Rahmen eines von Eberhart geleitetenProjekts der Steiermärkischen Landesregierung aufgearbeitet wurde, kannalso auf bislang unbekannte Privatkorrespondenz und Tagebücher zurück-greifen und so neue Einblicke in das biographische, zeitpolitische undfachgeschichtliche Ambiente Gerambs bieten.
Schon das Titelbild wartet mit einer kleinen Überraschung auf, nämlichmit ,, eine[ r] der wenigen Aufnahmen, die Geramb im bürgerlichen Smokingzeigen"( Impressum, S. 4). Und mit dieser Trouvaille haben wir auch schongewissermaßen ex negativo einen Blick auf die Selbstrepräsentation einesMannes geworfen, der, wenngleich von nur recht weitschichtiger Herkunftaus agrarwirtschaftlichem Milieu, seine ,, Nähe zum Bäuerlichen“ in„ Habi-tus,[...] Sprache und[...] Kleidung“( Greger, S. 13) stets herausgestrichenhat. Anvisiert ist damit auch bereits die Gratwanderung Gerambs entlangder ,, praktischen Umsetzung von Kulturwissenschaft“ und den ,, Risikenihrer nahezu uneingeschränkten Instrumentalisierung“( Vorwort, Eberhart,S. 10), von der der Lebensweg dieses steirischen Volkskundlers bestimmtwar. Diesen Lebensweg verfolgt Michael Greger denn auch unter ständigerBetonung des Selbstverständnisses von ,, Vater Geramb“, der sich nicht nurals Wissenschaftler, sondern wohl mehr noch als ,, Kulturpräger“( Greger,S. 38) gesehen hat und sich auch zeitlebens erfolgreich als solcher und biszur Legende zu stilisieren wusste- eine Sichtweise, der ja bekanntlich vieleNachgeborene bereitwillig nachgekommen sind. Ansonsten folgt Greger inZusammenfassung bzw. Ergänzung bereits vorliegender Untersuchungenden biographischen Stationen Gerambs in ihrem chronologischen Ablauf.Seine Abhandlung ist Teil einer 2002( unter dem Titel ,,, Verehrter Freund!'-, Sehr verehrter Herr Professor!'. Viktor Geramb in Korrespondenz mitRichard Wolfram und Leopold Schmidt 1945-1948. Ein Beitrag zur Ge-schichte der österreichischen Nachkriegsvolkskunde“) vorgelegten Diplom-arbeit, die im übrigen zusätzlich mit Gewinn bei der Lektüre heranzuziehen