Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

Literatur der Volkskunde

ÖZV LXII/ 111

-

chen wird und Dialektausdrücke oder eingedeutschte italienische Wortenur Südtirolern verständliche Passagen- ohne Kommentar in die geschrie-bene Sprache übernommen werden. Es sind, wie es der Titel des Bandespassend beschreibt, Meraner Badegeschichten; sie machen das Buch zueiner amüsanten, heiteren und leichten Lektüre, die sich wahrscheinlichdann anbietet, wenn man einen Tag lang Zeit hat, um im Meraner Lido nacheiner kühlen Erfrischung zur Lektüre zu greifen.

Verena Lageder

AGGERMANN, Lorenz, Eduard FREUDMANN und Can GÜLCÜ: Beo-grad Gazela. Reiseführer in eine Elendssiedlung. Klagenfurt: Drava Verlag,2008, 224 Seiten, farb. Abb.

Reiseführer sind Gebrauchsanweisungen für Orte. Meist scheinen dieseschon irgendwie vertraut, man kennt sie, weil sie populär sind; Reiseführerstrukturieren die Wahrnehmung und liefern Handlungsanweisungen gleichmit. Längst gibt es sie nicht mehr nur für Touristenmagneten wie Paris, NewYork oder Mallorca, sondern für nahezu jeden denkbaren Ort der Erde.Nichtsdestoweniger mutet es verwunderlich an, wenn ein solcher Reisefüh-rer nun an einen Ort führt, der im aufstrebenden Europa schlicht vergessen,zurückgelassen erscheint. Dennoch gestalteten die drei Autoren LorenzAggermann, Eduard Freudmann und Can Gülcü ihr Buch über ,, BeogradGazela in der Art eines Reiseführer- als Reiseführer in eine Elendssied-lung. Es führt den Leser an einen marginalisierten Ort, für den im neuenEuropa kein Platz ist, der aber dessen ungeachtet längst beziehungsweiseimmer noch zum Alltag dieses Europas gehört.

Die in den 1980er Jahren entstandene illegale Elendssiedlung Gazela imHerzen Belgrads, überschattet von großen Hotels wie Hyatt und Interconti,liegt auf vakantem Baugrund unter einer Autobahnbrücke, der ,, Most Gaze-la". In Gazela leben jene, die von der Mehrheitsgesellschaft vergessenwurden, Teil keiner Gesellschaft, nirgendwo gemeldet sind. HauptsächlichRoma und Ashkali( Angehörige der muslimischen albanischen Minderheit)haben sich hier unter katastrophalen Bedingungen, im Zentrum der aufblü-henden Stadt, niedergelassen. An einen Ort wie Gazela möchte man nicht-warum ein Reiseführer?

Hinter dem, was sich- optisch wie inhaltlich- als typischer Reiseführerpräsentiert, steckt zunächst eine ebenso klassisch anmutende Ethnographie.Klassisch, weil es sich bei den 18 Kapiteln von Beograd Gazela umdetaillierte Untersuchungen der Siedlung an sich, des sozialen Umfeldes und