Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXII/ 111

Und somit bleibt eine tiefergehende Beschäftigung mit der so genanntenvolkstümlichen Musik, ihrer Darstellungsformen und ihrer weit verbreitetenRezeption weiterhin ein Desideratum.

Andreas Schmidt

RÖSCH, Paul: Meraner Badegeschichten. Vom Strandbad zum Lido.Bozen: Verlagsanstalt Athesia AG, 2007, 199 Seiten, zahlr. Abb., graph.Darst.

Frauen, Männer und Kinder posieren in Badebekleidung vor der Kamera,springen ins kühle Nass, werden beim Turmspringen und Volleyballspieloder beim Sonnenbaden abgelichtet. Ob Schnappschuss- oder Profifotogra-phie, die meist untertitelten Bilder dieses aufwendig gestalteten Buchesfesseln das Auge beim ersten Durchblättern. Bunte Kämme, Sonnen-schirmchen, 500 Lire Münzen, Badehosen, Kulturbeutel, Eintrittskarten, Ver-botsschilder und vieles mehr gestalten den Band noch bunter und scheinenErinnerungsstücke aus einer anderen Zeit zu sein. Dass die Zeit nicht stehengeblieben ist, lässt sich von den Fotos nicht allein durch ihre veränderteFarbigkeit ablesen. Die Abbildungen sind chronologisch gereiht, sehr auffal-lend verändern sich z.B. die Bademoden der Portraitierten von einer beinaheGanzkörperbekeidung bis hin zum heute gebräuchlichen Badedress.

Der erste Eindruck des Buches hält sich bis zum Schluss: Man denkt einfremdes Familienalbum in der Hand zu halten, aus dem wohl so mancheMeranerInnen ihren Enkelkindern erzählen könnten.

Die vom Autor angesprochene LeserInnenschaft des Buches sind ver-mutlich die MeranerInnen selbst, bzw. die Interviewten, die im Buch immerwieder zu Wort kommen. ItalienerInnen wie deutschsprachige Südtiroler-Innen erzählen Anekdoten aus ihrem Leben. Vermutlich ist das Buch auchaus diesem Grund zweisprachig gestaltet. Die Seiten sind jeweils in einedeutsche und eine italienische unterteilt. Auch alle Zitate, die oft vom Autorhervorgehoben und am Rand einzelner Seiten stehen, sind in die jeweilsandere Sprache übersetzt.

Im Zeitraffer erfährt man in verschiedenen Kapiteln einiges der überhundert Jahre alten Meraner Badetradition. Vom Baden in der Passer seitden 1870er Jahren, über das Meraner Lido- Bad, über die Kilometerlänge derim benachbarten Tourismusort Schenna zusammengezählten Beckenrand-längen im Jahr 2005, bis hin zu einem Abriss der Kulturgeschichte desSchwimmens, erstreckt sich das vom Autor besprochene Themenspektrum.Manche Abhandlungen geraten zu kurz und wirken sehr verschwommen, oft