Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LXII/ 111

delte Graf nun das Thema des Wohnens anhand dieser Substandardwohnungin einem Museum. Eine Vermischung von privatem und öffentlichem Raumthematisierte der Künstler im ersten Zimmer der Wohnung. Dieses grenztdirekt an ein Eingangstor, durch welches früher die BesucherInnen in dasGebäude kamen. Über ein kleines Fenster konnte die/ der Portier/ e dieHereinkommenden kontrollieren. Als Symbol für diese Zugangsbeschrän-kung stand für den Künstler die Schranke, deren Verankerung er allerdingsnicht in der Durchfahrt, sondern in der Wohnung ansetzte. Durch dasBeobachtungsfenster reichte dann der Balken in den öffentlichen Raumhinaus. Damit wies er auf die einstige Zwitterfunktion dieses Zimmers hin:einerseits privater Wohnraum Koch- und Waschbereich-, andererseits

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aber auch Arbeitsplatz für das Museum.

Gregor Grafs mehrteilige Installation entstand in intensiver Beschäfti-gung mit den vorgefundenen Gegebenheiten. Als sichtbares Zeichen dieserAuseinandersetzung verwendete er bei seinen Interventionen im zweitenund dritten Raum der Ausstellung vorhandenes Material aus der Wohnung.Im zweiten, mittleren Raum befand sich ein stilisiertes Haus, gebaut ausTeppichfliesen. Die Innenräume des Gebäudes waren wie ein Schattenrissdahinter in den Putz geritzt- der Traum vom Einfamilienhaus in der Sub-standardwohnung als Projektion an der Wand.

Im dritten und letzten Raum fanden sich die unmittelbaren Utensilien desWohnens- Möbel, die aus dem Holz einer Wandverkleidung, die noch vonder Ausstellung von Corinne L. Rusch stehengelassen wurde, gebaut wur-den. Auch hier arbeitete der Künstler mit vorhandenem Material. Andernortsbefanden sich noch die Briefschlitze der zweiten Ausstellung von MarkusHofer. Diese waren zurückgelassen worden, um die neue Nutzung dieserehemaligen Wohnräume als Ort einer künstlerischen Auseinandersetzung zudokumentieren. Auch sie waren nun zur Geschichte dieser Wohnung gewor-den und veranschaulichten den Bedeutungswandel dieses Ortes- von derWohnung zur Abstellkammer und nun temporär zum Kunstraum.Graf hatte Mobiliar aus der Holzwand ausgeschnitten und dieses aus derWand herausgeklappt. Einerseits konstruierte er hier Tisch, Stuhl und Bett,die man zum Wohnen braucht, andererseits verwies er gerade mit diesen inWirklichkeit unbrauchbaren Möbelstücken auf die Abwesenheit vonBewohnerInnen. Er inszenierte einen eingerichteten, scheinbar bewohntenRaum und erinnerte damit an die ursprüngliche Funktion der Räume.Gleichzeitig deuteten die durch das Auschneiden der Möbel entstandenenLeerstellen in der Wand auch die Zerstörung eines vorhergegangenen Zu-standes an.

In der Wand des dritten Raumes hatte Gregor Graf durch Einritzungenein Spruchtuch aus der Schausammlung des Museums nachgezeichnet, das