Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Profantová, Zuzana: Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst

  
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Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst : Zu anthropologischen Aspekten des Studiums des Hauses und Heims
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Zuzana Profantová

ÖZV LXII/ 111

Der Ofen hatte in der traditionellen Volkskultur eine bedeutendeRolle, vor allem bei den wichtigsten Familienereignissen. Der Platz,wo der Ofen stehen sollte, wurde mit Weihwasser besprengt, unterdas Fundament wurden zu Maria Himmelfahrt oder zu Fronleichnamgeweihte Kräuter gelegt. In Lysá pod Makytou legte man unter dasOfenfundament eine Handvoll Getreide jeder Art, damit im Hausevon allem zur Genüge vorhanden war. Es war auch üblich, Brot, Geld,Weidenkätzchen, Geschirrscherben in das Ofenfundament zu legen.Bevor der Ofen zu bauen begonnen wurde, gab die Bäuerin Salzdarunter, d.h. das ,, Grundlegende und bewirtete die Baumeister. Eswar üblich, dass die Braut, sobald sie das Haus des Bräutigamsbetreten hatte, den Ofen auszuschmieren begann, und der Frau dank-te, die ihr den Lehm für diese Arbeit gab. In Trebichav ging die Brautnach der Ankunft im Haus gleich zum Ofen und legte Kuchen aufseine Ecke. In Nižná Slaná drückte man die Braut dreimal an denOfen, damit sie sich eingewöhnt und dick wird. Die Berührung mitdem Ofen ,, funktionierte auch für Haustiere und Geflügel usw. Daswichtigste Rezeptionsritual war der Empfang des Kindes in derFamilie. Nach der Geburt des Kindes drückte die Hebamme das Kindan den Ofen, dem Symbol des weiblichen Schoßes und sagte:, Wergesät hat, soll auch ernten." In der Ostslowakei hieß es: ,, Auf dass sieso dick wird, wie der Ofen."

Der Ofen war nicht nur eine Parallele zum weiblichen Schoß,sondern auch ein Weg der Mediation mit dem Jenseits. Zum Beispielbedeutete das Hineinlegen eines Menschen in den Ofen seine Rück-kehr in die embryonale, pränatale Periode. In Polen glaubte man, dassman ein Kind mit Masern, wenn man es auf eine Schaufel legt und inden Brotofen schiebt, gesund herausholen würde( Kowalski 1998,S. 438). Man glaubte auch, dass ein kranker Mensch, wenn er sich amOfen stehend wäscht, gesund wird.

Der Rauchfang bzw. die Rauchfangöffnung- als Verlängerung desOfens bezeichnet die vertikale Ordnung der Welt und verweist aufihre Konzentriertheit. Der aus dem Rauchfang entweichende Rauchsymbolisiert die Mediation zwischen Erde und Himmel. Durch denRauchfang zu gehen, ist im symbolischen Sinne wie eine Grenze zuüberschreiten und sich im Jenseits, im Hades, wiederzufinden. Seinezentrale Platzierung eröffnet den Weg ins Jenseits in Richtung nachoben, aber auch nach unten. Der Rauchfang ist ein Ort, wo ver-schiedene Dämonen lebten, und er ist der Weg, durch den die bösen