Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Profantová, Zuzana: Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst : Zu anthropologischen Aspekten des Studiums des Hauses und Heims
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2008, Heft 2

Zu anthropologischen Aspekten des Studiums des Hauses

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Haus so lange stand, bis das Geld verfault war. In das Fundament desHauses wurden geweihtes Getreide, Heiligenbilder, Rabenfedern ge-geben, die das Haus vor dem bösen Geist schützen sollten. In Prave-nec legte man in das Fundament Wurzeln einer Ziest- Pflanze mit einerFlasche Weihwasser, in Hôrky war das ein Stückchen Brot mit Ka-mille, in Štiavnik legte man Stroh in das Hausfundament u.a.

In die vier Hausecken gab man in Torysky nur geröstetes Brot, umdas Haus von Perún abzuwenden, d.h. es bei einem Gewitter vorBlitzen zu retten. In Stará Ľubovňa legte man Glas oder Immergrünin die Ecken. Der Bauer passte auf, dass in das Fundament kein totesTier eingemauert wurde, denn der Nutzen würde das Haus verlassen.Wer dem Hausherrn schaden wollte, vergrub insgeheim eine toteKatze oder einen toten Vogel in die Grundmauern. In der Ostslowakeiwar es Brauch, eine Münze zu vierteln, und jedes Viertel in eine Eckezu legen, damit die Familie im Hause zusammenhielt und fest wieeine Münze war( Varchol- Varcholová 1999, S. 123). Wer ein Hauszu bauen begann, bekreuzigte sich und sagte: Möge das Haus ausdiesem Holz fest stehen wie der Baum, den weder Wind, nochGewitter fällen konnte, und möge Gottes Segen in ihm wohnen( Bednárik 1944, S. 29).

Eine sehr wichtige Position im Haus gebührte dem Ofen. In derSymbolik des Ofens verband sich ebenfalls Kosmogonie mit Anthro-pogonie im Sinne der alten heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Mythen, die besagen, dassdie ersten Menschen aus Teig geformt, geknetet wurden. Der Ofenkann als Zentrum, als gegenständliches Äquivalent der Ur- Feuer-stelle bezeichnet werden. Das Brotbacken symbolisierte den Akt derProkreation und der Entstehung des Lebens. Der Ofen gehört, so wieder Tisch, zu den wichtigsten Kultstätten des Hauses. Der Ofen ist andas weibliche Prinzip gebunden und hängt mit Sexualität, Fruchtbar-keit, Gebären und Eingewöhnung, Heimischwerden zusammen. DerOfen war eine bestimmte Grenze und über den Rauchfang auch diezentrale vertikale Öffnung. In diesem Sinne waren Ofen und Rauch-fang ein Sonderfall der axis mundi. Durch den Ofen zu gehen,bedeutete die Umgestaltung der Materie, die Transmutation vonEisen, Wasser, Luft, Erde, Teig usw. Die Verbrennung im Ofen pro-duzierte Wärme, das Holz wurde zu Asche und Rauch. Die Asche isteine der Metonymien des Todes und der Rauch verbindet uns undkommuniziert mit dem Himmel, es ist der ,, Duft für den Herrn", derOpferform hat.