Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Profantová, Zuzana: Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst : Zu anthropologischen Aspekten des Studiums des Hauses und Heims
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2008, Heft 2 Zu anthropologischen Aspekten des Studiums des Hauses

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des Zentrums- omphalos, was griechisch der Nabel der Welt"bedeutet, was wiederum eine Opposition zu den viereckigen Darstel-lungen des Hermes- des Gottes des Raumes, der offen ist( Legeźyńs-ka 1996, S. 13), darstellt.

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Die vertikale Symbolik des Hauses war durch die Feuerstellebestimmt. In ihr verbinden sich Erde und Raum über und unter derErde, dadurch traten alle Teile in eine Beziehung zum Universum ein.Die Feuerstelle symbolisierte auch Gastlichkeit Empfang einesFremden im Raum des Hauses. Im Bewusstsein des religiösen, gläu-bigen Menschen( im allgemeinsten Sinne dieses Begriffs), dem derRaum als ungleichartiges Chaos erschien, bezeichnete die Abtren-nung eines heiligen Raumes auch die Möglichkeiten der Definierungdes Zentrums. Die Bestimmung der Sphäre sacrum war der Beginnder Orientierung in der Welt.

Das Haus zum Wohnen, das Kulthaus, die familiäre Umgebung-das alles war ein heiliger Ort und symbolisierte die Mitte. M. Eliadesagt, die Mitte konnte durch eine kosmische Achse bezeichnet sein,die Erde und Himmel miteinander verband, so wie das zum Beispielin der Tradition des Stammes Achilpa der Fall war, dessen Angehörigein das Zentrum eine heilige Säule axis mundi stellten, wobei siediese als Nomaden von Ort zu Ort mitnahmen. Wenn die Säulezerbrechen würde, würde das sozusagen das Ende der Welt und dieRückkehr ins Chaos bedeuten( Eliade 1994, S. 28).

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Die Semiotisierung des Raumes verlief in fernen Kulturen nach derAnalogieregel. Haus, Dorf, Stadt waren Bilder des Kosmos undkosmogonische Modelle. Die Spuren menschlicher Siedlungen ausdem Neolithikum oder der Bronzezeit, indische Traktate über dieBaukunst, das römische Ritual der Stadtgründung( Romulus undRemus), die mittelalterliche Architektur der Heiligtümer, alle bestä-tigen sie die Kontinuität der Idee der bedeutungsvollen Anordnungdes Raumes als imago mundi. In der Struktur jedes Hauses kann maneine kosmische Symbolik entdecken. Das Dach symbolisiert dasHimmelszelt, der Fußboden die Erde, die Wände bedeuten die vierHimmelsrichtungen, Schwelle und Tür sind Orte der Öffnung derganzen Struktur. M. Eliade sagt, dass der religiöse Sinn der Wohn-stätte überzeitlich sei: ,, Das Haus ist kein Gegenstand, keine, Maschi-ne zum Wohnen, es ist das Weltall, das der Mensch für sich erbaut( errichtet), wobei er dem Werk der Götter- der Kosmogonie- alsVorbild nacheifert.( Eliade 1994, S. 35)