Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Profantová, Zuzana: Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst

  
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Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst : Zu anthropologischen Aspekten des Studiums des Hauses und Heims
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Zuzana Profantová

ÖZV LXII/ 111

menschliche Heimstätten ähneln einander in dem Maße, wie sich dieSchicksale jener ähneln, die darin wohnen.

Der axiologische Aspekt des Hauses manifestiert sich in der Ab-hängigkeit von der gesellschaftlichen Kosmologie, d.h. der dominan-ten Weltanschauung, die den Platz des Hauses innerhalb der von derGesellschaft anerkannten Wertewelt bezeichnet. Es ist in den Sphärensacrum und profanum angesiedelt. Das Haus bietet Schutz vor Kli-maeinflüssen, Tieren, aber auch vor Menschen, und es ist der Be-schützer vor übernatürlichen Kräften.

Das Haus der Götter ist der Himmel, das Haus des Menschen istdie Erde, das Haus der menschlichen Seele ist der menschlicheKörper. In der symbolischen Ebene vertritt das Haus das weiblichePrinzip. Es ist der zentrale Punkt des Kosmos, von dem sich alleweiteren Beziehungen abwickeln. Das Haus ist ein verschlossenerinnerer Raum, ein Mikrokosmos, der die Eigenschaft sacrum be-sitzt. Im Haus sollen Harmonie und Ganzheit, Integrität bewahrtwerden.

In archaischen Kulturen erscheint der Raum des Hauses in einemmythischen Aspekt als Replik des Universums und als Wiederholungdes Aktes der Erschaffung der Welt( gesta deorum). Die Beziehungendes Hauses und der Sphäre sacrum sind so wirklich, dass das religiöseWissen im kulturellen Geschehen der wissenschaftlichen Erkenntnisvorauseilt. Hingegen entsteht die rituelle Sinngebung des Zeitraumesaus dem primären Bedürfnis der Aneignung des Chaos. Die Anerken-nung der kosmischen Ordnung des irdischen Raumes ist das Resultatder Verbindung des Menschen mit dem Transzendenten. Die ältesteTeilung des Raumes hatte gleichermaßen einen funktionellen undeinen symbolischen Charakter. Zu der elementaren Opposition do-mestizierter( angeeigneter) Raum- fremder Raum gehören die Op-positionen oben unten, vorn hinten, offen- geschlossen, linksrechts. Zum Beispiel in der skandinavischen Mythologie ist dieMenschenwelt Midgard, was wörtlich ,, zentrales Haus" bedeutet. Mitdem Wort Utgard wird alles beschrieben, was im Chaos jenseits derGrenze bzw. des Zaunes eines Hauses existiert.

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Die einstige Geometrie der gemeinsamen Räume, für die dasViereck und der Kreis dominant sind, bestätigte die symbolischeDarstellung des zentralen Punktes das ,, Zentrum. Wie A. Le-gezyńska anführt, bildete das Zentrum im antiken Haus die Feuerstel-lehestii, in einer Rotunde. Die ovale Form war ebenfalls ein Symbol