2008, Heft 2 Zu anthropologischen Aspekten des Studiums des Hauses
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weit alle Bedürfnisse befriedigt werden, hängt sowohl von natürli-chen Umständen als auch von kulturellen Bedingungen ab. DerMensch kann nicht nur das ,, Dach über dem Kopf“ verlieren, sondernauch die soziale Identität, die unmittelbar mit den Menschen ver-bunden ist, mit denen er lebt und wohnt, zu denen er emotionaleBindungen hat. Wir können vom Verlust der Wurzeln“, von der,, Entwurzelung" sprechen. V. Mináč beschrieb in den autobiographi-schen Dialogen V košeli zo žihlavy( ,, Im Nesselhemd") treffend einengewissen Kontinuitätsverlust in der Identität und im ,, Verwurzeln“.V. Mináč: ,, Der Fluss gleicht nicht seiner Quelle, und dennoch ist erdie Verlängerung seines Wesens... Ich verließ Klenovec als Zehnjäh-riger. Bevor ich nicht von hier weggegangen war, war ich mir meinerVerbindung zu Klenovec nicht bewusst. Ich lebte ein halbnatürlichesLeben, alles hing mit allem zusammen und alles bestand fort. Und alsman mich gewaltsam von Klenovec trennte, begann ich das alsunersetzlichen Verlust zu empfinden. Als ich sieben Jahre späterzurückkehrte, gab es das Klenovec meiner Kindheit nicht mehr.“( Holka 1999, S. 14)
V. Brožík konstatiert: ,, Das Zuhause ist ein Ensemble von identi-fizierten Werten, die an ein bestimmtes Milieu gebunden sind unddieses Milieu dem Menschen nahe machen“( Brožík 1969, S. 130).Das sind im Grunde genommen Werte, die schwer in die gewohnteGliederung hineinpassen, weil das Zuhause von Werten in ihrerkonkreten Totalität gebildet wird, so wie auch die Funktionen desZuhauses. Deshalb ist es schwer, dem Wert des Elternhauses, ähnlichwie der Mutterliebe, ein Attribut beizumessen. In jedem Falle geht esaber um untrennbare, potentielle Werte, die das Zuhause bilden unddie sich so auch dem Menschen darstellen, weil der Mensch nichtdeshalb auf sie eingeht, um sie zu bewerten, sondern um sie zu finden.Und so ist es mit allen Werten, die zum Haus, zum Zuhause gehören,auch mit solchen, die für den Menschen den Duft von hausgebacke-nen Buchteln, ein altes Spielzeug oder das schönste Weihnachten derKindheit repräsentieren.
Das Zuhause erhält der Mensch nicht als Geschenk von den Eltern,noch von sonst jemandem, sondern er formt es sich selbst, dabei dasVermächtnis jener nutzend, die vor ihm da waren, und die nicht nurStädte und Dörfer, nicht nur Länder, sondern vor allem eine bestimm-te Lebens- und Denkweise hinterlassen haben. Das Zuhause ist stetsein streng individualisiertes Werteensemble. Selbst differenzierteste