Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LXII/ 111, Wien 2008, 105–123
Daheim, das sind Hände, über denen Du weinen darfst
Zu anthropologischen Aspekten des Studiums des Hausesund Heims
Zuzana Profantová
[...] Daheim, das ist kaltes Wasser im taufeuchten Krug.Daheim, das sind auf dem Tisch gefaltete Hände
In sonntäglicher Stille nach des Tages Arbeit,
leer, wartend, entschlossen,
Hände, die Geschichte gestalten.
Daheim, das sind Hände über denen Du weinen darfst.Sie bergen Dein Gesicht, naß von Schweiß und Tränen,können umarmen, wärmen und bewahren,
können aber auch an die Gurgel gehen und zudrücken[...]Válek, M.: Len Tak, Hevi 1995, S. 43
Die aktuelle Arbeit der Autorin konzentriert sich auf dieWichtigkeit eines Daheims, eines Zuhauses im Dasein desMenschen; dieses ist wiederum in Zusammenhang zu sehenmit seinem Wesen und dem Wohnen in einem Haus. DieAutorin leitet dies von einer philosophischen Betrachtung deshomo domesticus ab und schenkt einem axiologischen Aspektdes Hauses Beachtung. Das Haus wird aus dem Blickwinkelarchaischer Kulturen analysiert und als Wiederholung desAktes der Erschaffung der Welt( gesta deorum) gesehen.Einbezogen werden ebenso die Geometrie eines Hauses, dieWahl und Besiedelung eines Territoriums, mit welchem Aber-glaube und Bräuche traditioneller Kulturen verbunden sind.Besonderes Augenmerk wird dem Ofen in einem traditionel-len Wohnumfeld geschenkt, ebenso dem Kamin, den Türenund Schwellen als Grenze zwischen orbis interior und orbisexterior Diese bedeutenden Bereiche des Wohnens werdenverwoben mit einer Reihe abergläubischer und magischerHandlungen in der Slowakei bzw. in slawischen Ländern, ihreWichtigkeit spiegelt sich wider beispielsweise in Sprichwör-tern und Redensarten. Ein Blick auf moralische und sozialeFaktoren in Zusammenhang mit Haus und dem Wohnen alsOrt für die Etablierung einer bestimmten Form von ,, Zuhau-se" macht dieses Thema relevant, auch in unserer Zeit mitihrem unaufhörlichen Modernisierungsdruck.