Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXII/ 111

sion sollte ein wissenschaftliches Grundprinzip sein, das aber im Falle desAusstellungswesens allzu oft missachtet wird- da ist den Autorinnen nurRecht zu geben. Das vorliegende Buch jedenfalls ist ein inhaltlich wiemethodisch gelungener Diskurs- Beitrag. Es fordert auch jene, deren Profes-sion nicht die Museologie ist, dazu auf, Ausstellungen nicht bloß zu besu-chen also zu konsumieren-, sondern auch zu versuchen, Bilder zu er-schließen die hinter der eigentlichen Erzählebene liegen.

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Christian Stadelmann

MATTL, Siegfried, Elisabeth TIMM und Birgit WAGNER( Hg.): Film-wissenschaft als Kulturwissenschaft. Zeitschrift für Kulturwissenschaften,Heft 2/2007, Transcript, Bielefeld 2007.

Das Heft 2 der Zeitschrift für Kulturwissenschaften widmet sich dem zu-nehmenden Interesse der Kulturwissenschaften an der Auseinandersetzungmit Film und Kino, legt fachliche Wurzeln des Films in der Kulturtheoriefrei, befasst sich mit dem Dokumentarfilm und seinem Publikum, Genderund Filmschnitt sowie Bollywood und seinen Aneignungen. Der dialogischeTeil des Heftes thematisiert Kino und cinéphilie sowie nationale Unterschie-de in der Filmwissenschaft.

In der Betrachtung der frühen deutschsprachigen Filmtheorie als Kultur-wissenschaft begreift Markus Rheindorf, Linguist und Filmwissenschafter,die Geschichte der Filmtheorie als den historischen Verlauf eines Diskurses

über ,, den Film". Er untersucht dabei jene Äußerungen, die sich von denvon geschmacksgeleiteten Kritiken in der zeitgenössischen Tagespresse undden rein technisch orientierten Beiträgen zum Thema Film in Fachmedienabheben, als Quelle dient ihm vorwiegend die in den ersten drei Jahrzehntendes 20. Jahrhunderts noch häufige Publikationsform der Sammelkritik undderen, später auch in Buchform weiterentwickelte, filmtheoretische Entwür-fe. Er beschreibt dabei einen Prozess der Differenzierung und derBegriffsbildung, der zunehmend Bedeutung für die Etablierung eines spe-zifisch filmtheoretischen Diskurses gewinnt.

Barbara Wurms Untersuchung des Kulturfilm- Diskurses in Deutschlandund in der Sowjetunion erweitert die Ausführungen Rheindorfs nicht nurgeografisch, sondern auch um den Aspekt der Filmwissenschaft als Kultur-wissenschaft ,, von unten". In einem Gedankenexperiment am Beispiel desKulturfilmbuchs von 1924 fragt sie danach, wie eine Kulturwissenschaftaussähe ,,, die sich an einer spezifischen Ausformung des frühen Filmdiskur-ses, nämlich der Problematik des Kulturfilms, orientieren würde"( S. 25).