2008, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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zerischen Bäcker- und Konditorenverband sich gewissermaßen dieses Brau-ches ,, anzunehmen“. Die Kooperation von kulturgeschichtlichem Background und wirtschaftlichen Interessen war sehr erfolgreich – Ähnlichkei-ten mit der Weiterentwicklung des Muttertages( forciert vom Blumenhandel,, Fleurop“) sind unverkennbar und unterstreichen die Tatsache, dass dieKombination Kultur und Wirtschaft durchaus zu einer Brauchbelebungbeitragen kann.
Abschließend sei noch einmal auf die Quellenanalyse des Autors hingewie-sen, die als vorbildhaft für die systematische Erforschung eines Brauches geltenkann. Gerade in dieser vergleichenden Studie wird deutlich, welche Interpreta-tationsmechanismen sich in der Entwicklung eines Brauches nachzeichnenlassen und wie ,, schwierig" es im wahrsten Sinne des Wortes ist, die ,, Bohneim Kuchen“ mit all den damit verbunden Ritualen zu ,, entdecken".
Petra Streng
MUTTENTHALER, Roswitha und Regina WONISCH: Gesten des Zei-gens. Zur Repräsentation von Gender und Race in Ausstellungen. Bielefeld,transcript, 2006, 264 Seiten, zahlr. Abb.
,, Gesten des Zeigens“ – das Ergebnis einer mehrjährigen Arbeit von Ros-witha Muttenthaler und Regina Wonisch- ist ein differenzierter Beitrag zurAusstellungsdidaktik. Die beiden Autorinnen haben die Schausammlungendes Naturhistorischen Museums Wien, des Kunsthistorischen MuseumsWien und des Wiener Völkerkundemuseums, dreier großer und historischbedeutsamer Museen der Stadt also, untersucht. Ihr Ziel war es, kulturellePositionen offenzulegen, die mittels der Gestaltung der Ausstellungen überdie Präsentation des eigentlichen Leitthemas hinaus eingenommen wurden,und zu eruieren, welche Vorstellungen von den betroffenen Gesellschaftenvermittelt werden. Diese sekundär vermittelten Bilder haben sie in dieKategorien gender, race und- deutlich zurück genommen- class eingeteilt,das heißt, ihr Interesse galt der Frage, welche geschlechtsspezifischen,ethnischen und sozialen Zuschreibungen über die Präsentationen transpor-tiert werden.
Die Auswahl der Museen ist in der Weise erfolgt, dass von einer ver-gleichbaren Sammlungsgeschichte ausgegangen werden kann. Hinter denGründungen des Natur- und des Kunsthistorischen Museums steht die selbeins 18. Jahrhundert zurück reichende Sammlungsidee. Konzipiert und er-richtet wurden die beiden Häuser im Zuge der Ringstraßenbebauung in den1880- er Jahre als komplementäre Institutionen. Auch das Völkerkundemu-