Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXII/ 111

das allerdings von den Veranstaltern oft unerkannt bliebe: Jedoch könne dasBild der Gegenwelt dazu führen, die drückenden Konventionen und Selbst-verständlichkeiten der eigenen Alltagswelt zu hinterfragen. ,, Arrangierte Feri-enwelten sind vielleicht gerade infolge ihrer zeitlichen Begrenzung diebisher besten Annäherungen an unsere Vorstellungen vom Paradies."( S. 212)Dieser interessante Sammelband bietet nicht nur einen Einblick in touri-stische Erlebniswelten. Als wichtige Forschungsquellen zu diesem Themakristallisieren sich bei vielen Autoren dieses Bandes gedruckte Quellen wieReiseprospekte, Reisekataloge und Reiseführer heraus. Ergänzt werdendiese jeweils und in unterschiedlicher Intensität von qualitativen Forschun-gen im Feld. Es wird die für Forschungen in diesem Bereich notwendigeMethodenvielfalt sichtbar. Das wissenschaftliche Niveau, das die Ergebnis-se der Beiträge widerspiegeln, ist dabei unterschiedlich. Auch wird aufgrundder sehr differierenden Beiträge der Begriff der ,, Erlebniswelt unterschied-lich besetzt, manchmal wird er auch überhaupt nicht explizit verwendet. Feststeht, der Begriff kann( und wird mit dem Titel dieses Buches) als Überbe-griff für recht unterschiedliche Freizeiteinrichtungen verwendet werden, istaber mit Sicherheit nicht als reflektierter Fachbegriff zu sehen: So ver-wenden einige Autoren etwa den Nicht- Ort von Marc Augé, anderebleiben bei ,, Freizeitwelt" oder sprechen vom ,, Kulturpark. Auch ist nichtin allen Beiträgen mit ,, Erlebniswelt ein konkreter Ort gemeint: im Beitragvon Martin Füssenhäuser ist z.B. der Reiseprospekt selbst die Erlebniswelt.Begriffliche Einigkeit besteht also nicht unbedingt, vielleicht muss sie dasaber auch nicht. Schließlich gibt es, und das macht dieser äußerst interes-sante Band deutlich, mehrere Wege in der Analyse von Erlebniswelten undin der Freizeitforschung allgemein. Und für die kommenden Wege bringtdas Buch so manchen Denkanstoß. Für an der Tourismusforschung Interes-sierte kann das Lesen dieses Bandes somit zu einem positiven Erlebnis

werden.

Elisabeth Krims

FUGGER, Dominik: Das Königreich am Dreikönigstag. Eine historisch-empirische Ritualstudie. Paderborn, Ferdinand Schöningh GmbH& Co. KGVerlag, 2007, 244 Seiten, 38 s/ w u. Farb- Abb.

Der Untertitel dieser Dissertation- ,, Eine historisch- empirische Ritualstu-die"- hält, was er verspricht. Mit Akribie und fachgeschichtlichem Know-how- um es salopp zu formulieren- gelang dem Autor ein wichtigerBeitrag zu einem Brauchkomplex, der beiläufig zwar bekannt, aber in dieser