2008, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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wissenschaftliche Selbstreflexion verdrängen könne. Allerdings überwie-gen die Chancen nach der Hörzschen Diagnose für die Fachabsolventen,wenn sie ,, Poesieproduktion, Modernisierungsfolge- Kompensation, sozi-alpsychologische Therapie auf der einen Seite, Wissensagentur, Aufklärung,Politikberatung, kritische Kulturwissenschaft auf der andern“( S. 105) als,, zentrale Zukunftsaufgabe“( S. 103) ansehen. Die Frage, wie dieser Spagatunter postfordistischen Bedingungen zu schaffen ist, bleibt offen.Anita Bagus
WÖHLER, Karlheinz( Hg.): Erlebniswelten. Herstellung und Nutzungtouristischer Welten(= Tourismus. Beiträge zu Wissenschaft und Praxis,Bd. 5.). Münster 2005, 216 Seiten, Ill., graph. Darst.
Ca. 1,640.000 Treffer bei der Eingabe des Wortes ,, Erlebniswelt“ in derInternetsuchmaschine Google sind wohl ein Indiz für die Aktualität undVerbreitung dieses Begriffs. Nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch imAlltag haben wir es hier anscheinend mit einem weit verbreiteten Phänomenzu tun. Vor allem Webseiten von Tourismusgemeinden, Freizeiteinrich-tungen und nicht uninteressant Autoherstellern finden wir unter demStichwort ,, Erlebniswelt" im Internet. Sehr unterschiedliche( Be-) Deutun-gen des Begriffes im Rahmen des Tourismus bringt auch der Sammelband,, Erlebniswelten“ zum Vorschein. Entstanden ist das Buch aus den Vorträgender 6. Arbeitstagung der Kommission Tourismusforschung der DeutschenGesellschaft für Volkskunde mit dem Titel ,, Erlebnis leben. Herstellung undNutzung touristischer Welten“ an der Universität Lüneburg im Jahr 2001.
Die Bandbreite der inhaltlichen Erlebniswelt dieses Buches reicht vomReiseprospekt über Nationalparks bis zur Inszenierung von Stadtviertelnoder Sehenswürdigkeiten. Doch geht es darin nicht so sehr um eine Diskus-sion der Begrifflichkeiten, als viel mehr um eine Sammlung verschiedenerspezieller Themen bzw. Fallbeispiele, die- ohne dass jeder Autor diesenBegriff explizit verwendet- unter den Oberbegriff der Erlebniswelt einge-ordnet werden können.
Der erste einleitende Beitrag von Christoph Köck beleuchtet in Kürze dieGeschichte der ,, Erlebnisgesellschaft“ und gibt dazu einen prägnanten in-haltlichen Überblick. Gleichzeitig geht Köck in diesem interessanten Auf-satz auf die Schwierigkeiten einer empirischen Analyse der touristischenNutzung des ,, ironischen Spiels“( S. 12) der Erlebniswelten ein. Als Er-kenntniszirkel bezeichnet er die Tatsache, dass die Kulturwissenschaft dieForm der Erlebnisgesellschaft deutet und dokumentiert, was wiederum die