Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXII/ 111

Forschungsstipendiums des Referates Wissenschaftsförderung der Kultur-abteilung des Wiener Magistrates erarbeitete, gelungen. ,, Kunde vom Volk.Forschungen zur Wiener Volkskultur im 20. Jahrhundert" zeichnet sichdurch eine erfrischende, unterhaltsame Sprache aus, ohne die wissenschaft-liche Bodenhaftung zu verlieren.

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Es ist nicht Anliegen des Autors- wie der Titel etwa vermuten ließeeine lückenlose Fachgeschichte der Wiener Volkskunde vorzulegen, son-dern er versteht seine Studie als ,, survey über Forschungen zur WienerVolkskultur", die zugleich unterschiedliche Herangehensweisen im jeweili-gen Zeitkontext kritisch beleuchtet. Hörz skizziert wesentliche Strängehistorischer wie jüngerer volkskundlicher Diskurse mit einem Fokus auf dieideologische Indienstnahme und Verstrickungen des Faches in nationalso-zialistischer Zeit, die in den Begriffen Volk und Volkskultur bis heutemitschwingen. Referiert wird über die kritische Auseinandersetzung mit derFachgeschichte in den 1970- er Jahren ebenso wie über den soziokulturellenBezugsrahmen der volkskundlichen Akteure und deren Motive, sich mitbinnenexotischem, verklärendem Blick der Volkskultur zuzuwenden. An-fänge und Entwicklung volkskundlicher Forschungstätigkeiten in Wienwerden vornehmlich in ihrer universitären Präsenz aufgezeigt, die ,, Ahnen"im Spannungsfeld von Statistik und Geographie sowie Germanistik undAltertumswissenschaften verortet und die bekannten Protagonisten, derenForschungsfelder und Bedeutung in der Disziplingenese kurz vorgestellt.Über Friedrich Salomo Krauss als ,, ethnographischer Nonkonformist und,, Außenseiter" der volkskundlichen community informiert ein eigenes Ka-pitel.

,, Und die Stadt?", fragt das sechste Kapitel, in dem Hörz die Abstinenzder volkskundlichen Pioniere Wiens gegenüber Stadt und Urbanität disku-tiert. Im Zentrum steht hier der Gründer des Museums für ÖsterreichischeVolkskunde, Michael Haberlandt, dessen Rückwärtsgewandtheit sichkaum von den volkskundlichen Zeitgenossen oder der so genannten Wienermythologischen Schule unterschied, jedoch stellte er auch Bezüge zwischenWirtschaft und Kultur her und äußerte sich als ,, Feuilletonist zu urbanenThemen. In der Hörzschen Studie erstaunt die völlige Ausblendung des 1894in Wien gegründeten Vereins für österreichische Volkskunde und dessenZeitschrift, die 1919 in Wiener Zeitschrift für Volkskunde umbenannt wur-de, nicht nur angesichts der ausführlichen Beschäftigung mit dem GründerHaberlandt. Dass die fachgeschichtlich relevante Wiener Einrichtung ver-mutlich dem begrenzten Zeitrahmen zum Opfer fiel, ist bedauerlich. Sokommen weder Beiträge noch Autoren der Zeitschrift, die sich sowohl mitWiener als auch mit Volkskultur anderer Städte beschäftigten noch möglicheBezüge zu unterschiedlichen volkskundlichen Netzwerken in den Blick