2008, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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Intention einer anzureißenden, jüngeren Institutionengeschichte ver-ständlich wird. Gänzlich neu verfasst wurde das abschließende siebte Kapi-tel ,, Europäische Ethnologie zwischen Sozial- und Kulturwissenschaft. EinAusblick.", das einen ,, Ausblick"-Abschnitt in der zweiten Auflage ersetzt.Der äußerst undankbaren Aufgabe dieses letzten, generellen Überblicksüber jüngere und jüngste Entwicklungen in einem nicht zuletzt seineswandelbaren Gegenstandes und seiner vielseitigen Bedrohungsszenarienwegen hoch dynamischen Faches zu geben, stellen sich die Autorenwacker. Dabei ist es müßig anzumerken, dass dieser Aufgabe nur schwer ineinem dicken Band Genüge getan werden könnte, geschweige denn aufzwölf bescheidenen Seiten. Den beiden Autoren kann dabei durchaus zuge-billigt werden, dass sie ihrer im Vorwort genannten Devise zur Verfassungeiner ,, herleitenden Wissenschaftsgeschichte" gleich entsprochen haben,wie sie zum Schluss eine„, verstehende Übersicht“ geboten haben. Und soist wohl auch der Titel des Werkes zu lesen als ,, Einführung“ im Sinne einer,, Hinführung“ zur Volkskunde/ Europäische Ethnologie und als ,, eine" Wis-senschaftsgeschichte.
Oliver Haid
HÖRZ, Peter F. N.: Kunde vom Volk. Forschungen zur Wiener Volkskulturim 20. Jahrhundert(= Enzyklopädie des Wiener Wissens; Bd. II Volks-kunde). Bibliothek der Provinz, Edition Seidengasse, Weitra 2005, 131 Seiten.
Die Publikation erschien als zweiter Band der Reihe Enzyklopädie desWiener Wissens. Der Herausgeber Hubert Christian Ehalt erörtert in seinemVorwort Intentionen und Prämissen der seit 2005 erscheinenden Reihe. DieBände ,, werden die Stärken, Feinheiten, Widersprüche und Finessen desWiener Wissens" nicht nur mit einer ,, diachronen Panoramakamera portrai-tieren", sondern auch unter ,, das Elektronenmikroskop einer Kulturwissen-schaft legen, die die Wahrheit in der Dialektik des Detailbefundes sucht“.Mit einer ansehnlichen ,, Liste der Wiener Qualitäten“, die sich ,, beliebiglange fortsetzen ließe“( S. 11), werden Leserinnen und Leser in laudieren-dem Tenor zur Lektüre eingeladen, um den„, alltäglichen Genuss an denQualitäten und Widersprüchen der Stadt mit den profunden Analysen derReihe zu unterlegen.“( S. 11) Die Reihe richtet sich offensichtlich an Fach-leute ebenso wie an allgemein stadt- und kulturgeschichtlich wie volkskund-lich interessierte Bürgerinnen und Bürger Wiens. Der so erforderliche Spa-gat zwischen populärwissenschaftlichem Schreiben und fachwissenschaft-lichem Anspruch ist Peter F. N. Hörz, der die Studie mittels eines