Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
Seite
71
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LXII/ 111, Wien 2008, 71–88

Literatur der Volkskunde

WEBER- KELLERMANN, Ingeborg, Andreas C. BIMMER und Sieg-fried BECKER: Einführung in die Volkskunde/ Europäische Ethnologie.Eine Wissenschaftsgeschichte. 3. vollständige überarbeitete und aktualisier-te Auflage. Stuttgart- Weimar: J. B. Metzler, 2003, 222 Seiten.

Mehr als drei Jahrzehnte liegen zwischen der ersten und der dritten, überar-beiteten und aktualisierten, Auflage dieses Klassikers unter den Handbü-chern unseres Faches. Spiegelte der Titel des Werkes aus der Feder IngeborgWeber- Kellermanns im Jahre 1969 ,,, Deutsche Volkskunde zwischen Ger-manistik und Sozialwissenschaften, ein sich anbahnendes Selbstverständ-nis des Faches als Sozialwissenschaft, so trug die Zweitauflage im Jahre1985 einer sich stärker ausdifferenzierenden Wissenschaftslandschaft undden Bedürfnissen einer studentischen Leserschaft mit dem Titel ,, Einfüh-rung in die Volkskunde/ Europäische Ethnologie" Rechnung. Dass dabeiAnspruch und reale Möglichkeiten- nämlich bei größtmöglicher Beibehal-tung des Originaltextes- auseinander fallen mussten, waren Weber- Keller-mann und ihrem Koautor Andreas C. Bimmer bewusst, wie sie im Vorwortzur zweiten Auflage anklingen ließen. Die dritte Auflage erschien zehn Jahrenach dem Tod Weber- Kellermanns und wurde ohne ihre Beteiligung, jedoch,, in seinen wesentlichen Zügen immer noch im Sinne und in der Intentionseiner Autorin von Andreas C. Bimmer und Siegfried Becker erstellt.

Im Vorwort zu seiner Einführung in das Fach merkte Wolfgang Kaschubaan: ,,Wissenschaftliche Einführungstexte in die Geschichte und die Perspek-tiven eines Faches sind stets, Problembücher'(...)". Und sichtlich hatten esdie beiden Verfasser besonders schwer. Denn ihnen oblag, neben der Ver-waltung eines historischen, ja eines als klassisch gehandelten Textes, auchseine Aktualisierung in Zeiten geänderter Terminologie, erweiterterForschungsfelder und konkurrierender Fachverständnisse. Im Vorwort zur3. Auflage erklärten die Autoren, ,, alle heute gängigen, Einführungen,Grundzüge, Grundrisse' usw. erschienen deutlich später und machten da-mit klar, dass sie den ältesten kursierenden Text mit Handbuch- und Über-blickcharakter zu überarbeiten hatten. Dabei ist offensichtlich, dass mit demAustausch des einen oder anderen Begriffes, der Ergänzung, Glättung oderBerichtigung, der Zusammenführung und Umbenennung, keine neue,, Einführung entsteht. Selbst der günstige Umstand, dass es sich bei diesem