Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LXII/ 111

historische Beispiele, wie die Chinoiserien in der Kleidung des Rokoko. DieSynergien sind endlos.

Den Auftakt der Vorträge bildete auf Wunsch der internationalen Gästeallerdings eine Vorstellung der österreichischen Museumslandschaft imAllgemeinen durch das ICOM- Österreich Vorstandsmitglied Heimo Kaindl,Graz, und der Kostümsammlungen( Monika Kurzel- Runtscheiner, Wien)wie der Trachten-( Thekla Weissengruber, Linz) und Modeszene( KatrinSeiler, Wien) im Besonderen. Alexandra MacCulloch, England, nahm amnächsten Tag das Revival der viktorianischen Korsetts unter die Lupe, MariaWronska- Friend, Australien, das Re- Design von chinesischen Trachtenele-menten in der Minderheitenkolonie der Hmong/ Miao in Australien. EinenAusstellungsbericht lieferten Bianca M. du Mortier, Niederlande, und Vas-silis Zidinakis, Griechenland. Die Ausstellung ,, Fashion DNA" des Rijks-museum Amsterdam im Jahr 2006, die genau diesen Aspekt des ,, Allesschon einmal Dagewesen aufgenommen hatte, indem es unerwartete Ob-jektkombinationen aus unterschiedlichen Jahrhunderten präsentierte, hattekontroversielle Reaktionen ausgelöst und war damit äußerst erfolgreich. Diegriechische Ausstellung ,, RRRIPP!! Paper Fashion" enthüllte die Material-qualität von Papier als Inspirationsquelle für Kleidung in verschiedenenKulturen und Epochen der Geschichte.

Den dritten Vortragstag bestritten Annette Borrell, Dänemark, mit einerPräsentation über Kostüme in Kinofilmen von der Stummfilmzeit bis zurHochblüte des Hollywood- Glamour, Sandy Heffernan, Neuseeland, miteiner besonders interessanten Darstellung des weit reichenden Einflussesder europäischen Traditionen der textilen angewandten Kunst zu Ende des19. Jahrhunderts und Bernard Berthod, Frankreich, mit einer Analyse derKleidung des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., die auf die Kreativitätdes römischen Designers Stefano Zanella zurückgeht.

Das Nachmittagsprogramm war mit Besuchen in Wiener Museen undTextildepots auf die unterschiedlichen Wünsche und Interessen der Ta-gungsteilnehmer und-teilnehmerinnen abgestimmt. Der erste Nachmittagbot ,, Imperiale Pracht" in der Schatzkammer, der Hofjagd- und Rüstkammerund im Monturdepot des Kunsthistorischen Museums. Der zweite Nachmit-tag war den Kostümsammlungen des Theatermuseums und des Museumsfür angewandte Kunst gewidmet. Biedermeierkostüme, Wiener Werkstätte-Textilien und eine eigens von Art for Art für Andre Hellers Jessye Norman-Film angefertigte Kostümkollektion verfehlten ihre Wirkungen nicht. Derdritte Nachmittag galt dem ,, Wiener Chic vom 19. bis 20. Jahrhundert.Abgerundet wurde dieser Tag mit einem ,, Fashion- Walk" durch die WienerKreativ- Bezirke 7, 6, 2 und 1, der auch Wiener Teilnehmerinnen überrasch-te. Die Wiener zeitgenössische Modeszene hat sich in den letzten Jahren