Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LXII/ 111, Wien 2008, 49–52
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neuerdings
Schüssel aus dem Salzkammergut
, Was heißt Heimat?" fragte der Linzer Journalist und Historiker PeterHuemer in der Tageszeitung ,, Die Presse“. Er kam zu dem Schluss, dass alleMenschen über ihre höchst eigene Heimat verfügen. Das Schlüsselwort dazusei die Erinnerung, die dorthin führe, wo sich Heimat und Ort verknüpfen.Diesem Gedanken folgend ,, kann alles zur Heimat werden: der LASK, die,, lyrische Hausapotheke" von Erich Kästner und die Gmundner Keramik aufdem Frühstückstisch".2
pars
Der Keramikliebhaber hätte gerne gewusst, welche Gmundner Keramikman sich da vor Augen rufen soll. Doch für Peter Huemer ist es eindeutig:DIE Gmundner Keramik ist in seiner Erinnerung mit dem Begriff ,, HE Heimat"verbunden. Mit DER Gmundner Keramik assoziiert man zu allererst dasgrün geflammte Geschirr, das nicht allein den Bewohnerinnen und Bewohnernim Bundesland Oberösterreich sondern auch in allen anderen Landesteilenpro toto das Bild eines ländlich- rustikalen Frühstücks- oder nachmittäglichenJausentisches vor Augen ruft. Wir können also mit höchster Wahrscheinlichkeitannehmen, dass es sich in diesem Zitat um die grün geflammte GmundnerKeramik handelt. Denn dieses rustikale Geschirr wird vorrangig mit der StadtGmunden am Traunsee assoziiert. Keramik gilt dort als Zeichen für regionaleIdentität. Darüber hinaus hat sich das grün geflammte Geschirr im ganzen Landzum Inbegriff für gemeinschaftliche Mahlzeiten, österreichische Gastlichkeit,Gemütlichkeit und ländliche Idylle entwickelt.
Wurden im 17. und 18. Jahrhundert eher blaue Farbtöne verwendet, tratendanach die grünen Scharffeuerfarben auf Gmundner Fayencen stärker in denVordergrund. Die ,, grüne Flamme" gilt als klassischer Dekor der GmundnerKeramik und ist seit dem 17. Jahrhundert in allen Stilperioden auf Fächerplat-ten, Schüsseln, Godenschalen und Weitlingen zu finden. Auf den MärktenWiens waren die grün geflammten Gmundner Fayencen so beliebt, dass sie dortunter der Bezeichnung ,, Gmundner Geschirr" gehandelt wurden. In Gmundenselbst hießen sie nach dem hauptsächlichen Abnehmer ,, Wiener Geschirr".³
1 In der Rubrik ,, neuerDings" werden Dinge vorgestellt, die in der letzten Zeit neuin die Sammlungen des Österreichischen Museums für Volkskunde gekommensind, oder die kürzlich neu bearbeitet wurden.
2 Tageszeitung ,, Die Presse“ vom 14. Mai 2005, Beilage Spectrum, Wien.3 Svoboda, Christa: Blaue Welle- grüne Flamme. Salzburger und Gmundner