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Franz Grieshofer
ÖZV LXII/ 111
verdanken ist, konnte auf eine umfassende Eintheilung des eingesam-melten Stoffes gedacht werden, und so gliedert sich das Museumzunächst in zwei Hauptgruppen: einer culturhistorischenSammlung der Steiermark und einer allgemeinenkunstgewerblichen Sammlung." Und Haberlandt weiter:,, Die erste Hauptabtheilung ist uns hier von ungleich größerem Inter-esse als die zweite. Sie giebt[ sic!]) ein übersichtliches Bild von demWohnen, dem häuslichen Leben und Schaffen der Bewohner vonSteiermark seit mittelalterlicher Zeit. Mit Recht ist der Begriff desVolkes hier in weitestem Sinn genommen, in welchem der Edelmanngerade so dazu gehört als der Bauer."
Bei der Beschreibung des Museums im Zeitungs- Feuilleton folgtMichael Haberlandt dem von Lacher herausgegebenen Führer undbemerkt: ,, Höchst interessant gestaltet sich das Bild der steirischenWohnung, welches durch zahlreiche Interieurs dem Besucher ver-mittelt wird.“ Gemeint sind die aus unterschiedlichen Epochen undSozialmilieus aufgestellten Stuben. Bei der Präsentation des bäuerli-chen Wohnens bemängelt Haberlandt allerdings, dass dieses nichtdurch eine besondere Stube veranschaulicht wird, sondern nur durchGruppen von Einrichtungsstücken, bei denen die bemalten und ge-schnitzten Exemplare überwiegen. Er hätte die bäuerlichen Wohnob-jekte gerne zu vollständigen Einrichtungen zusammengestellt gese-hen, denn: ,, Es ist unglaublich, um wie viel besser ein Möbelstückwirkt, wenn es an seinem Platze steht, als wenn es für sich ausgestelltist.“ Aus heutiger Sicht erscheint diese Kritik freilich ungerechtfer-tigt. Ganz im Gegenteil, Lacher erweist sich mit seiner Präsentationals fortschrittlicher Museologe, indem er der Versuchung widersteht,die Möbel in sogenannten„, Möbelstuben“ zusammenzustellen, wiees Haberlandt in Wien praktizierte. 24 Von Otto Lauffer erntet Lacherjedenfalls für seine Ausstellungsweise ausdrückliches Lob.25
Als sehr sehenswert und reichhaltig stuft Michael Haberlandt imFeuilleton dafür die Sammlung der steirischen Kostüme ein. Hier hebter als positiv hervor, dass dazu alte Aquarelle aufgelegt sind, etwajene von Johann von Lederwasch aus dem Judenburger Kreis oder
24 Katalog der Sammlungen des Museums für österreichische Volkskunde in Wien.Wien 1897.
25 Lauffer, Otto: Rezension von Karl Lacher: Altsteirische Wohnräume im Landes-museum zu Graz. Leipzig, K.W. Hiersemann, 1906, 32 Lichtdrucktafeln, 8 SeitenText. In: Museumskunde, II. Jg., 1906, 4. H., S. 232–233.