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Franz Grieshofer
ÖZV LXII/ 111
zur Errichtung eines Kunstgewerbemuseums. 14 Beide Vereine be-saẞen nämlich schon bescheidene Sammlungen, die man durch rezen-te Erzeugnisse zu ergänzen trachtete. Angestrebt wurde eine Vor-bildsammlung, um das Stilempfinden an den Staatsgewerbeschulenund beim heimischen Kunstgewerbe zu heben.
1881 trat nun Karl Lacher- ehrenamtlich an die Spitze desKomitees, das sich um die Erweiterung des Vereinsmuseums küm-mern sollte. Lacher, der schon zuvor Sammelstücke in seinen Besitzgebracht hatte, begann nun für dieses Museum kunst- und kulturge-schichtlich wertvolle Objekte in der Steiermark anzukaufen- undzwar aus eigener Tasche. Der bereits 1876 erstandene Prunksaal desSchlosses Radmannsdorf in Weiz zählt zu den wichtigsten Erwer-bungen dieser frühen Phase, die er dem ,, Kunstgewerbemuseum“ zurVerfügung stellte. Dank des Engagements und des SammeleifersLachers konnte das vom Kunstindustrieverein initiierte ,, Kunstge-werbemuseum" 1883 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.Die Anwesenheit des Kaisers bei der Eröffnung und die Bewilligungeiner Subvention in der Höhe von 4000 Gulden seitens des Unter-richtsministeriums zum Ankauf von Sammlungsgegenständen für dasMuseum waren die sichtbare Anerkennung der Bemühungen Lachers.
Anlässlich der Feierlichkeiten der sechshundertjährigen Zugehö-rigkeit des Landes Steiermark zum Haus Habsburg wurde auf Initia-tive des Präsidenten des Kunstindustrievereins Heinrich Graf vonAttems eine große kulturhistorische Sonderausstellung veranstaltet,an der Karl Lacher wiederum maßgeblich beteiligt war. Er bekam dieAufgabe übertragen, ganze Wohnräume, Möbel, Hauseinrichtungenund Gerätschaften der häuslichen Arbeit zur Darstellung zu bringen,wobei vor allem die aus diversen Schlössern und Ansitzen bereitge-stellten ,, altsteirischen" Wohnräume und Holzportale allgemeine Be-wunderung erlangten. Das Gezeigte ließ den Wunsch wach werden,diese Objekte ständig für das Joanneum zu erwerben. Da diese abergroßteils aus adeligem Privatbesitz stammten, war ein Ankauf nichtmöglich. Immerhin gelang es Lacher aber, die ,, KunstgewerblichenArbeiten aus der Kulturhistorischen Ausstellung zu Graz 1883" auf100 Tafeln mit hochwertigen fotographischen Wiedergaben zu doku-
14 Zur Geschichte der Kunstgewerbemuseen vgl. Mundt, Barbara: Die deutschenKunstgewerbemuseen im 19. Jahrhundert. München 1974(= Studien zur Kunstdes neunzehnten Jahrhunderts, Bd. 22).