2008, Heft 1 Karl Lacher- ein ,, übergangener“ Volkskundler der Steiermark
Lacher und das Kunstgewerbe
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Karl Lacher( 1850-1908) wurde am 23. Mai 1850 in Uttenhofen,einem westlich von Nürnberg gelegenen Dorf, geboren. 10 Lacherwuchs in einem evangelischen Haushalt auf. Sein Vater war Lehrer,seine Mutter eine evangelische Pfarrerstochter. Nach der Pflichtschu-le und der Realschule, die er in Nürnberg absolvierte, besuchte er indieser kunstsinnigen Stadt von 1867 bis 1872 die Kunstgewerbeschu-le, die damals einen guten Ruf besaß. Lacher belegte die Bildhauer-klasse und die Fachschule für Architektur und Kunstgewerbe.
Gleich nach Beendigung seiner Schulzeit, während der er bereitsdurch etliche Preise ausgezeichnet wurde, brach er zu einer Reisenach Italien auf. 1873 machte er einen Abstecher zur Weltausstellungin Wien und im selben Jahr wurde er Assistent für Bildhauerei an derKunstgewerbeschule in Nürnberg.
Als August Ortwein( 1836–1900)," ein geborener Steiermärker,von Nürnberg als Direktor an die Grazer Gewerbeschule berufenwurde, nahm er den erst 23- jährigen Lacher nach Graz mit, um ihnmit der freien Stelle eines Modelleurs zu betrauen. Hier hatte KarlLacher mit seinen erstaunlichen pädagogischen Fähigkeiten nicht nurregen Anteil am Aufschwung der Gewerbeschule, sondern er entfal-tete auch eine unermüdliche Tätigkeit zur Hebung des heimischen
10 Gawalowski, Karl W.: Karl Lacher. Aufsätze und künstlerische Arbeiten. Miteiner biographischen Einleitung. Graz 1911. Gawalowski zeichnet in seinerErinnerungsgabe an den am 15.1.1908 Verstorbenen aus dem unmittelbarenEindruck eines Mitarbeiters ein lebensvolles Bild eines tatkräftigen Mannes, dashier nur in knappen Zügen wiedergegeben wird. Es wäre zu wünschen, wenndieses Lebenswerk durch eine umfassende Darstellung aus heutiger Sicht eineErgänzung fände. Im Kulturfahrplan des Landes Steiermark für das 19. Jahrhun-dert( www.kultur.steiermark.at) wird das Geburtsjahr übrigens fälschlicherweisemit 1849 angegeben.
Karl W. Gawalowski( 1861-1945) war neben seiner Tätigkeit in der Landesbi-bliothek( ab 1883), deren Direktor er zuletzt war, Dichter und Schriftsteller. Seinbekanntestes Werk ist ein Hand- und Reisebuch über die Steiermark( 1911/1926).Er war im südsteirischen Volkstumskampf führend tätig.- Zu Gawalowski sieheBiographisches Lexikon der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,bearb. von Eva Obermayer- Marnach. Graz- Köln 1951, I. Band, S. 414; Ebd.:Lacher Karl, IV. Band, 1969, S. 393.
11 August Ortwein wurde durch die Herausgabe des mehrbändigen Werkes über dieDeutsche Renaissance bekannt. Von ihm stammen etliche Entwürfe für Kirchen-umgestaltungen in Graz. Die HTBLA in Graz trägt seinen Namen.