Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Grieshofer, Franz: Karl Lacher – ein „übergangener“ Volkskundler der Steiermark

  
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Karl Lacher – ein „übergangener“ Volkskundler der Steiermark : zum Gedenken an den bedeutenden Museologen zu seinem hundertsten Todestag am 15.1.2008
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LXII/ 111, Wien 2008, 1-24

Karl Lacher- ein übergangener Volkskundlerder Steiermark

Zum Gedenken an den bedeutenden Museologen zu seinemhundertsten Todestag am 15.1.2008

Franz Grieshofer

In der Institutionengeschichte der steirischen Volkskundekommt Karl Lacher( 1850-1908) nicht vor. Der als Professoran der Staatsgewerbeschule und als vielseitiger Künstler inGraz wirkende Sammler richtete jedoch innerhalb des vonihm gegründeten und geleiteten kulturhistorischen und Kunst-gewerbemuseums am Joanneum in Graz eine eigene ethno-graphische Abteilung ein. Lachers Museumskonzept( ,, Instal-lationsplan") folgte der Zielrichtung der Kunstgewerbemuse-en. Angestrebt wurde von ihm aber eine Gesamtdarstellungder regionalen Kultur, innerhalb der der bäuerlichen Lebens-welt eine wichtige Stellung zugewiesen wurde. Durch diegleich nach dem Tod Karl Lachers in Angriff genommeneHerauslösung der volkskundlichen Sammlung aus dem kul-turhistorischen Museum kam es zur Umwandlung in ein rei-nes ,, Bauernmuseum" und zu einer damit verbundenen Ideo-logisierung des Bauerntums.

Volkskunde in Graz

Die Anfänge der Volkskunde in der Steiermark sind mit drei Namenverbunden: Weinhold, Meringer und Geramb.¹

1 In diesem Zusammenhang wäre auch noch Raimund Friedrich Kaindl( 1866-1930) zu erwähnen, der 1915 aus Czernowitz nach Graz übersiedelte, wo er biszu seinem Tod im Jahr 1930 das Amt eines Ordinarius für österreichischeGeschichte bekleidete. Im Gegensatz zu seiner Zeit als Professor in der Buko-wina, in der er durch seine zahlreichen und umfangreichen Arbeiten über dieHuzulen, besonders aber durch seine Einführung in ,, Die Volkskunde. IhreBedeutung, ihre Ziele und ihre Methoden. Mit besonderer Berücksichtigung ihres