Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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1998, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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lich und reformerisch gestimmter Lebensentwürfe vom Menschen als Ge-samtkunstwerk geworden( S. 41). Köstlin zeigt am Beispiel von Körper-kunst, vor allem am Tanz die Verinnerlichung von Volkskunst als Teil desangeblich natürlichen Ausdrucks von Menschen und ihrer Körperlichkeit.Eine Reihe weiterer Aufsätze beschäftigt sich mit Objektivationen, andenen sich der Erfolg des Projektes ,, Volkskunst aufzeigen läßt. MartinWörner verweist noch einmal eingehend auf die Beziehungen zwischen denVertretern der klassischen Moderne und ihren Inspirationen aus dem ,, natür-lichen Leben, Bärbel Kleindorfer- Marx deutet mit der Vermarktungsge-schichte sogenannter volkstümlicher Möbel die Kommerzialisierbarkeit derBild- und Sachwelten an, Nicole Kuprian widmet ihren Beitrag der kariertenund damit bäuerlichen Bettwäsche. Sozusagen mit der Gegenrichtung be-schäftigt sich der Beitrag Wolfgang Brückners, wenn er sich mit Hans Zatzkaund damit der ,, Kunst für das Volk" auseinandersetzt; einem Stil, der erstmit großer Verspätung zu musealen Weihen gelangen konnte. BernhardPurin zeigt mit seiner kleinen wissenschaftsgeschichtlichen Studie zur ,, jü-dischen Stube" Isidor Kaufmanns, welchen Erfolg diese Inszenierung hatteund mit welch blinden Flecken in der Konstruktion von Geschichte uns derHolocaust bis heute belastet. Mit Fragen des Umgangs mit Objekten und derGeschichte ihrer Erforschung befassen sich auch Kincső Verebélyi, Her-mann Steininger und Gertraud Liesenfeld. Verebélyi schlägt vor, die Kate-gorisierung von hoher, mittlerer und Volkskunst zu vereinheitlichen; eineMethode, die ihre Vor- und Nachteile haben würde. Hermann Steiningerbeschäftigt sich mit der Problematik der Behandlung, Bewertung und Be-grifflichkeit von Volkskunst in Niederösterreich und damit einer Wien nahenländlichen Region; sein Miteinbeziehen der nationalsozialistischen Behand-lung von Volkskunst setzt dabei einen fruchtbaren Akzent für den ganzenBand( S. 139-141) und ermöglicht ihm, die Geschichte in die Gegenwart zuverlängern. Gertraud Liesenfeld rollt die ganze Problematik der Volkskunst-debatte an der von ihr untersuchten Viechtauer Ware auf. Welches ist dieVolkskunst und wie geht man mit den unterschiedlichen Deutungen undNutzungen einer durchaus auch divergenten Produktionspalette um?

Die Brücke zur Gegenwart und damit von der Volkskunst zur populärenÄsthetik und Gestaltung schlagen Ulrike Langbein mit ihrem Beitrag zumPoesiealbum und Bernhard Tschofen mit seinen Überlegungen zu, Kriegstep-pichen aus Afghanistan. Beide Autoren verweisen auf die immer wieder gültigeForschungsregel, genau hinzusehen, vorgegebenen Deutungen vorsichtig ge-genüberzutreten und die sozialen und gesellschaftlichen Realitäten, in denenästhetische( Gebrauchs) objekte produziert und gedeutet werden, immer wiederals Korrektiv einzusetzen. Während Ulrike Langbein auch beim Posiealbumwieder einmal die Abhängigkeit von individuellen Gestaltungsspielräumen