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101 (1998) / N.S. 52
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1998, Heft 4

Chronik der Volkskunde

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,, Gemeinsam oder einsam?"

Bericht über den 10. Österreichischen Museumstag

in Innsbruck vom 19.- 21. Oktober 1998

Unter dem etwas konstruiert wirkenden Titel ,, Gemeinsam oder einsam?"lud das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zum diesjährigen Österreichi-schen Museumstag, einer Einrichtung, die der heutige Generaldirektor desKunsthistorischen Museums in Wien, Wilfried Seipel, vor zehn Jahren inLinz ins Leben gerufen hat, und welche er bis heute programmatisch undorganisatorisch mitträgt. Diese Veranstaltung erfreut sich nach wie vorsteigender Beliebtheit, die Teilnehmerzahl-- weit über dreihundert- beweistdies. Der besonders rege Zuspruch dieses Jahres darf aber auch auf dieHaben- Seite der Gastgeber verbucht werden, welche, wie bereits vor fünfJahren, ein hochkarätig besetztes, anspruchsvolles Programm und besonderssympatische, kommunikationsfördernde gesellschaftliche Rahmenbedin-gungen boten.

Damit sind nicht nur vorzüglich organisierte Empfänge und schöne ge-meinsame Mahlzeiten gemeint, sondern etwa die kritische Auseinanderset-zung mit den drei diesjährigen Großereignissen des Landes auf dem Ausstel-lungssektor, innerhalb welcher jene stattfanden: die Ausstellung ,, Men-schenbilder. Egon Schiele und seine Zeit im Tiroler Landesmuseum Fer-dinandeum, die Begegnung mit aktuellen Künstlerpositionen und Volks-kunst im Rahmen der Ausstellung ,, Der Vogel Selbsterkenntnis" im TirolerVolkskunstmuseum Innsbruck( vgl. die Berichte auf S. 465 bis 476) und die,, Fahrt ins Blaue", die die neue Kunsthalle Tirol im Salzlager Hall zum Zielhatte, deren Eröffnungsausstellung ,, Sehnsucht Heimat" beachtliche Kon-troversen im Lande ausgelöst hatte. Während gesellschaftlich längst aner-kannte Kunst wie Egon Schiele zum sicheren Besuchermagneten gerät,taugen Ausstellungsexperimente, die verunsichern, die gewohnte, festgefah-rene Sichtweisen stören, die die Entkodifizierung von Dingen betreiben, wiedie beiden genannten Schauen, zum Garanten für hitzige Diskussionen.Damit werden Museen und deren Ausstellungen jedoch zum, Treibhaus derIdeen"( Plessen), zum Generator ,, musealer Verzauberungen, die kulturelleEnergien freisetzen( Korff), zum ,, Spiegel ihrer Zeit" anstatt nur als ,, Archivedes Vergangenen zu dienen( Matt), wobei hinzuzufügen ist, daß das Eine( Zeitspiegel) ohne das Andere( Erinnerungsarchiv) nicht funktionieren kann.

"

Das Programm war in drei großen Blöcken strukturiert. Den Eröffnungs-vormittag, an welchem die großen Linien gezeichnet werden sollten, bestrit-ten die Ausstellungsregisseurin Marie Luise von Plessen in einem Solo undim Anschluß daran ein Podium von Museumsleuten mit verschiedenstempersönlich- fachlichem Hintergrund, moderiert von Wilfried Seipel. Frau