Volume 
101 (1998) / N.S. 52
Page
447
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LII/ 101, Wien 1998, 447-451

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Mitteilungen

, Ehe der Berg sich schließt und die Schätze auf ewig versinken"

Ein Besuch im Museum für Sächsische Volkskunst in Dresden

Helga Högl

Das Zitat stammt vom Dresdner Sagenforscher Arthur Lincke, der 1896einen Aufruf zur Gründung eines Vereins für sächsische Volkskunde veröf-fentlichte. Dank seiner Bemühungen und der tatkräftigen Umsetzung durchden Volkskundler Oskar Seyffert( 1862-1940) kam es nicht nur 1897 zurGründung des Vereins, sondern auch zum Aufbau eines Museums für Säch-sische Volkskunst, dessen Sammlungen ständig wuchsen.

Stellt man sich die Frage, warum der Volkskunde Ende des 19. Jahrhun-derts plötzlich so große Beachtung geschenkt wurde, gibt der jetzige LeiterDr. Johannes Just folgende Begründung: ,, Zunächst wohl aus dem Bewußt-sein eines Verlustes heraus. Solange sich die Entwicklung in kleinen, für jedeGeneration kaum wahrnehmbaren Schritten vollzogen hatte, wurden auchVeränderungen in der Lebensweise der Menschen und von Kulturformen alsselbstverständlich hingenommen. Das 19. Jahrhundert aber brachte dieindustrielle Revolution, damit die Verringerung landwirtschaftlicher undhandwerklicher Arbeit mit den alten Lebensformen verschwand auchtradierte Kultur.

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Erst als man den Bruch erkannte, begann das wissenschaftliche Interesse.Es äußerte sich in Ländern wie Sachsen besonders deutlich, wo die wirt-schaftliche und gesellschaftliche Entwicklung weit fortgeschritten, der da-mit verbundene Verlust zuerst wahrnehmbar war."

Überall in Europa war derselbe Trend zu spüren, Nationen und ethnischeGruppen begannen über Sprachpflege, volkskulturelle Traditionen, alteBauformen, handwerkliches Können, Volksmusik, Trachten und Heimat-schutz nachzudenken. Das 1. Sächsische Volkstrachtenfest fand am 5. Juli1896 in Dresden statt und die Gruppen der Altenburger, Spreewälder,Voigtländer, Großröhrsdorfer, Lausitzer, Erzgebirger, Wenden und Landleu-te aus Kaditz- Mickten- Uebigau zeigten im Festzug ihre Trachten, handwerk-liche Erzeugnisse und Musikdarbietungen. Schon damals war ihnen bewußt,daß es gilt die eigene Identität zu bewahren.