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Peter Niedermüller
ÖZV LII/ 101
diese Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, die das grundlegendestrukturelle Merkmal spätmoderner Gesellschaften ist.
Von den spätmodernen Transformationsprozessen bzw. den Folgendieser Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen sind die Großstädte undMetropolen besonders geprägt worden, und in diesem Sinne sinddiese Großstädte und Metropolen heute als die zentralen Orte ein-schlägiger Wahrnehmung und Forschung anzusehen.' Stadtsoziologi-sche Forschungen haben in den letzten Jahren einen dramatischenProzeß wirtschaftlicher, sozialer und geographischer Re- und Um-strukturierung des urbanen Raumes konstatiert – die sozioökonomi-sche Tertiärisierung etwa, die Gentrifizierung gewisser Stadtteile,den Zerfall des Urbanen¹º, eine wachsende gesellschaftliche Polari-sierung, die neue Armut" oder Veränderungen in der städtischenBevölkerungsstruktur¹². In diesem Kontext sozialwissenschaftlicherund stadtsoziologischer Forschungen könnte und sollte der ethnolo-gische Blick einen weiteren und bisher etwas vernachlässigten Be-reich spätmodernen urbanen Lebens ins Visier nehmen, in dem dieZusammenhänge von Kultur, Identität, Politik und Macht besondersdeutlich werden: die im Gefolge des tiefgreifenden gesellschaftlichenStrukturwandels sich herausbildenden neuen sozialen Repräsenta-tionsstrategien.13
7 Vgl. Low, Setha M.: The Anthropology of Cities: Imagining and Theorizing theCity. In: Annual Review of Anthropology 25, 1996, S. 383-409.
8 Siehe z.B. Noller, Peter, Walter Prigge, Klaus Ronneberger( Hg.): Stadt- Welt.Über die Globalisierung städtischer Milieus. Frankfurt am Main 1994; Becken-bach, Nils, Werner van Treeck( Hg.), Umbrüche gesellschaftlicher Arbeit.(= So-ziale Welt, Sonderband 9), Göttingen 1994.
9 Vgl. Häussermann, Hartmut, Walter Siebel: Neue Urbanität. Frankfurt am Main1987., Blasius, Jörg: Gentrification und Lebensstile. Eine empirische Untersu-chung. Wiesbaden 1993.
10 Vgl. z.B. Keim, Karl- Dieter: Vom Zerfall des Urbanen. In: Heitmeyer, Wilhelm( Hg.): Was treibt die Gesellschaft auseinander? Bundesrepublik Deutschland:Auf dem Weg von der Konsens- zur Konfliktgesellschaft. Bd. I. Frankfurt amMain 1997, S. 245-287.
11 Häussermann, Hartmut: Armut in den Großstädten- eine neue städtische Unter-klasse? In: Leviathan 17 1997, S. 12-27.
12 Sackmann, Rosemarie: Migranten und Aufnahmegesellschaften. In: Häusser-mann, Hartmut, Ingrid Oswald( Hg.): Zuwanderung und Stadtentwicklung, Le-viathan, Sonderheft 17, Opladen 1997, S. 42-59.
13 Damit meine ich nicht, daß das die einzige Aufgabe gegenwärtiger stadtethnologi-scher Forschung wäre. Doch denke ich, daß der Begriff, soziale Repräsentationsstra-tegien einen zentralen Aspekt der spätmodernen Stadtethnologie darstellt.