Volume 
101 (1998) / N.S. 52
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LII/ 101

ner- und Pasterzenansicht). Deutlich wird aber auch, wie, Natur zum Spiel-ball der Politik wurde, und wie etwa die Spannungen zwischen österreichi-schem Ständestaat und deutschnationalen( wenn nicht unverhohlen natio-nalsozialistischen) Alpenvereinsaktivisten und Naturwissenschaftlern dieKonturen verwischen lassen. Die von Rigele ausführlich dargelegte Ausein-andersetzung um ein Seilbahnprojekt ist zugleich ein eindrucksvolles Bei-spiel für die Schwierigkeiten, mit dem herkömmlichen Fortschrittsbegriff,mit Kategorien wie Natur und Technik' oder auch reaktionär' und, technokratisch zu verfahren. Wie beweglich sich in der Tat solche festenGrößen verschieben lassen, wird in der Darstellung der politischen undalltagskulturellen Nachnutzung der Straße sichtbar- sowie in einem gelun-gen die Gesamterzählung konturierenden Schlußessay zur ,, Dynamik derPasterzenlandschaft im 20. Jahrhundert".

Wer mit der Lektüre einmal hier angekommen ist, wird- trotz mancheroben angeschnittener Durststrecke auf dem Weg- tief beeindruckt sein: vonder geradezu tüftlerischen Genauigkeit dieses Buches und vom Facetten-reichtum einer im besten Sinne gewichtigen Monographie. Schade, daß diesubjektive Note des biographischen Zugangs im ganzen Buch nie mehr soeindrucksvoll zum Einsatz kommt wie am linken Vorsatzblatt. Dort schim-mert durch die Legenden zum Photo eines Wiener Ingenieurs, der alsTechnikstudent beim Bau der Glocknerstraße beschäftigt war, für einmal diePoesie dichter Beschreibung. Von solcher Wegzehrung hätte man gerne mehrgehabt auf dem mühseligen Gang über die steilen Rampen, die künstlichenSchlenker und vor allem über die lange Scheitelstrecke.

Bernhard Tschofen

1 Vgl. die Besprechung in dieser Zeitschrift 97/ NF XLVIII( 1994), H. 2, S. 174–176.

Rapp, Christian: Höhenrausch. Der deutsche Bergfilm. Wien, Sonder-zahl, 1997, 287 Seiten, 55 S/ W- Abb.

Mit dem sogenannten deutschen Bergfilm hat Christian Rapp ein Themaaufgegriffen, dessen Konturen sich seit längerem abzeichneten. Vor einigenJahren schon sind die besten Standbilder aus den Filmen von Arnold Fanckund Luis Trenker als nostalgische Postkartendrucke an die alpenländischenAndenkenläden zurückgekehrt, das Münchener Stadtmuseum widmeteFanck vergangenen Winter eine vielbeachtete Retrospektive, und schließlichist auch die Ästhetik dieser Filme, wenn schon nicht rehabilitiert, dann doch