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Michaela Gindl und Ulrike Tauss
ÖZV LII/ 101
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Es sind bürgerlich- städtische Vorstellungen, die das Verständnisvom Land und dem ländlichen Leben konturiert haben. Sie habenzwar an Eindeutigkeit eingebüßt, aber bis in die Gegenwart an Rele-vanz nicht verloren. Sie manifestieren sich nach wie vor in romantischverklärten Bildern wie in jenem von der ,, Wildheit der Alpenbewoh-nerInnen“ und eröffnen so einen Kompensationsraum für die bürger-liche Gesellschaft. So wurde auch die bereits erwähnte ,, Wurzel- Me-tapher"- sie geht auf Eduard Spranger zurück und hat ihren Ursprungim bürgerlichen Gegenentwurf zur städtischen„, Entwurzelung“ – inein sich zu Beginn der 70er Jahre etablierendes neues, positivesHeimatverständnis integriert. Ausgehend von der Suche nach Alter-nativen zu den Auswirkungen der Wachstums- und Wohlstandsgesell-schaft erteilten vorerst Außenseiter der Gesellschaft ,, der Vernich-tung unserer Umwelt durch die unkontrollierte Ausbeutung unsererRessourcen 57 eine Absage und begrüßten die ,, für das SubjektMensch notwendige Integration in eine überschaubare und mitge-staltbare Umwelt“, 58 was einer ,, Wendung zu einem identifizierbarenMikrokosmos, an dem der einzelne Anteil hat", 59 gleichkommt. Dergegenwärtige Diskurs um Region, an dem sich auch ,, Pro Vita Alpi-na“ beteiligt bzw. bedient, erklärte neben anderen diese Forderungzum Ziel, denn Überschaubarkeit und Kleinräumigkeit, die per se alsein Mehr an Demokratie, Autonomie und Selbstbestimmungsmög-lichkeit gedeutet werden, schienen dem einzelnen offensichtlichmehr Befriedigung zu bieten.
Derzeit wird die Debatte- zumindest von seiten der ,, Pro VitaAlpina" nicht mehr vordergründig von einer„, KulturstimmungNostalgie“, 60 wie sie noch die 70er Jahre beherrschte, getragen, son-dern von dem Glauben an eine tatsächlich mögliche Umsetzung dergeforderten Ziele auf regionaler Ebene. Mediale Unterstützung findetdieser Glaube durch das Schlagwort ,, Europa der Regionen“, das sichim Zuge der Europäischen Einigung, die sich unter anderem die,, Entfaltung der Kulturen der Mitglieder- Staaten unter Wahrung ihrernationalen und regionalen Vielfalt“ zum Ziel machte, etabliert hat.Dieser von politischer Seite gestiftete Prozeß der„ Regionalisierung
57 Greverus, Ina- Maria: Auf der Suche nach Heimat. München 1979, S. 19.58 Ebda.
59 Ebda.
60 Greverus( wie Anm. 57), S. 171 f.
61 pro vita alpina, Nr. 18, S. 5.