Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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Michaela Gindl und Ulrike Tauss

ÖZV LII/ 101

jedoch die ,, Hauptrolle und dominiert sowohl die Themen als auchderen Inhalt. Aus diesen Gründen ist es hauptsächlich seine Person,auf die wir uns im folgenden beziehen.

Haid versteht sich als Wegweiser in das, Neue, als Planer undStratege der ,, Vernetzung, als Sprachrohr und Mentor, als Bergbauerund Alpler, als Aufwiegler, kurz: als neuer Bauernbefreier. An-läßlich der Verleihung des Hans Kudlich- Preises 1991 an Hans Haidnimmt er wie folgt Stellung: ,,[...] weil ich im Sinne KUDLICHS allesdaran setze zu einer neuen, zu einer 90iger Bauernbefreiung[...] zueiner mächtigen Bewegung mündiger, kritischer, wacher, innovativerBauern statt der satten Trägheit der bauernfremden Verwaltungsherr-schaft. Es braucht neue Bauernbefreier! Neue Vorausdenker müssenher! Welche? Ich stehe ganz im Sinne KUDLICHS[...]- weder rechtsnoch links, sondern VORNE." 53

In Hinblick auf die Position, die es ihm gestattet zu sprechen, istvor allem klarzustellen, daß Hans Haid weder Bauer noch Bergbauerist, daß er wohl in einer ländlichen Umgebung sozialisiert wurde, seinLeben aber das eines ,, stadtgewohnten" Akademikers ist. Es ist alsonicht der Umstand, daß Haid Mitglied derer ist, für die er das Wortergreift, der ihn zum Sprecher werden läßt, sondern vielmehr sein Status,den er nicht zuletzt auf Grund seiner Bildung innehat. Der Kunstgriff,als Heimatdichter und Bergbauer in der Öffentlichkeit in Erscheinungzu treten, dient dazu, sich dennoch als einer der ihren zu präsentieren.Das soziale und kulturelle Kapital, welches ihm als Sprecher und auchTeilhaber des Diskurses zuteil wird, ermöglicht ihm diese Rollen undauf diese Art wiederum die Reproduktion des Diskurses.

An dieser Stelle soll ein kurzer Exkurs folgen, der sich nochmalsmit der unserer Einschätzung nach ausgesprochen tendenziösen, inAnsätzen fanatischen Sprache befaßt. In Anlehnung an MichelFoucault bezeichnen wir sie als doktrinär. Foucault trennt zu analyti-schem Zweck den Begriff Doktrin von dem des Diskurses, denn beiletzterem ,, tendiert die Zahl der sprechenden Individuen dazu,begrenzt zu sein, während die Doktrin dazu neigt, sich auszubreiten.Das bedeutet nicht, daß ,, Hüter" der Doktrin so sehr an der Repro-duktion ihrer Position interessiert wären- denn das würde den Verlustihrer Machtposition innerhalb einer Institution bedeuten-, sondernvielmehr an der Reproduktion der Doktrin an sich. Was nun die

53pro vita alpina, Nr. 14, S. 3( Großschrift im Original).54 Foucault( wie Anm. 3), S. 28.