Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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Michaela Gindl und Ulrike Tauss

ÖZV LII/ 101

Minderheit als Referenzgruppe herangezogen werden- die ,, VitaAlpina meint das Leben der Bauern. ,, Kleine, querdenkende Bäuer-chen haben meist mehr Ideen und Phantasie." Den Bäuerinnen wirdweniger innovative Kraft zuerkannt, höchstens wird das ,, stille, aberharte Leben der Bergbäuerin" honoriert. Anlaß zur Freude sind dieBergkräuterfrauen im Lechtal, die Ziegenmolkehersteller in Stams,gegrüßt wird überall dorthin ,,, wo die KLEINEN in vielfacher Mengelebendig geworden sind. Wir grüßen alle Freunde, Mitarbeiter, Sym-pathisanten, Musikanten, Poeten, Aufwiegler, Widerständler, alle wa-chen, hellen und sonstwie interessanten Menschen im Lande...". 41

Den alpinen Menschen wird Wildheit Glossar ::: zum Glossareintrag  Wildheit attestiert, sie seien vollerMut, Schneid und Eigensinn, gesund, gerecht, stur und widerspenstig.,, Da habe ich mich gefreut über das neue bäuerliche Bewußtsein desgesunden Widerstandsgeistes. 42 Oft werden sie nur als Köpfebezeichnet, stur zwar, aber voller Courage, die sie aus der Rückbe-sinnung auf ihr ,, kulturelles Potential" schöpfen, welches sowohlRessource als auch Motor für Erneuerung und Eigenständigkeit dar-stellt. ,, Neue Ideen sind in findigen, aufgeweckten, kreativen, inno-vativen Köpfen entstanden und gewachsen. 43,, So entsteht neuesBERGLEBEN, neues Überlebens- Bauern- Bewußtsein, neuer Eigen-sinn durch Eigenart; nicht Starrsinn, sondern Bauerngeist, Bauern-schläue, vorausschauend für die Zukunft." 44

Hans Haid beschreibt zwei Möglichkeiten, wie mit diesen Eigen-schaften und Eigenheiten umgegangen werden kann. ,, Der anbieten-de Profi- und unbedingt Muß- Folklorist bleibt entweder in seinereigenen Haut oder er stülpt sich, was die Regel ist, eine fremde Hautdrüber, also die Scheinhaut, die Folklorehaut, die Dümmlichhaut. Erkann das eine und das andere perfekt nebeneinander ausspielen." 45Demnach hat der ,, Alpenbewohner eine Haut, die als Symbol für die,, echten", angeborenen und über Jahrhunderte gewachsenen Eigen-schaften des alpinen Menschen steht. Sie kann von der, zweitenHaut" nur überdeckt werden. Jene, die sich durch die Tourismusindu-strie korrumpieren lassen, sich- nach Haid'scher Diktion- ,, anbie-

41 pro vita alpina, Nr. 2, S. 1( Großschrift im Original).

42 pro vita alpina, Nr. 17, S. 3.

43 pro vita alpina, Nr. 30, S. 17.

44 pro vita alpina, Nr. 14, S. 2( Großschrift im Original).

45 Haid, Hans: Volkskultur und Tourismus. Betrachtung und Vergleich eines unglei-chen Paares in zwölf Kapiteln. O.O. 1996, S. 63.