Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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1998, Heft 2

,, Pro Vita Alpina"

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der einen und von ,, Mut, Witz und Widerstand in den Alpen"- einSlogan, der immer wiederkehrt- auf der anderen Seite. Die Begriffs-wahl ist pathetisch, dramatisch, aggressiv und soll provokativ und, volksnah sein. Weder mit positiven noch mit pejorativen Attributenwird gespart, um die Positionierung in der Werteskala eindeutig zumanifestieren. Darüber hinaus ist es eine Sprache, die in ihrer Wort-wahl oft Anleihen beim Jargon des Rotlichtmilieus nimmt, vor allemwenn es um die ,, Hure Tourismus geht. Da ist die Rede von ,, Nuttenund ,, Böcken", von ,, Vergewaltigung der Landschaft und der Bevöl-kerung, von der, Geilheit der Tourismusindustrie und von ,, Prosti-tution".32 Kennzeichnend ist ein immer wiederkehrender Dualismus,ein von Antagonismen geprägter Sprachgebrauch. Die Rede ist von altund neu, oben und unten, modern und traditionell, schwach und stark,von Kult und Kultur, Zentrum und Peripherie, von Stadt und Land.

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Im folgenden sollen Symbole, Metaphern und Begriffe- die inihrer Bedeutung sich freilich immer wieder überlagern und inhaltlicheng miteinander verwoben sind beispielhaft beschrieben werden.Symbole wie das der ,, Alpenfeuer als Zeichen des Widerstandsbzw. als Mahnung versinnbildlichen sowohl Gemeinsamkeit alsauch gemeinsame Bedrohung durch die Zerstörung des ,, Lebens-,Kultur- und Naturraumes" Alpen. Wenn am zweiten Samstag imAugust die Feuer in den Alpen brennen, so läßt sich leicht ein Fadenin eine ,, kämpferische Vergangenheit spinnen:, Ganz in einembesonderen Sinne des Protestes, des Demonstrierens, haben zumBeispiel die Tiroler auf den Bergen die Feuer entzündet, wennGefahr von außen drohte. 33 Feuer bedeutet Archaik, die Formu-lierung ,, Über tausend Feuer schlugen ihre Flammen gen Himmel(...)" 34 macht dies deutlich. Auch das Aufstellen einer Klapperam Ötztaler Niederjoch, wiedererrichtet nach Angaben des Erzher-zog Johann, soll als verstärkendes Moment dieser ,, Wach- undMahnaktion" dienen, soll ihr Gehör verschaffen.

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Zu lesen ist auch über ein anderes Mahnmal, welches im Sommer1985 in Graubünden errichtet worden ist, nämlich über die ,, langeHeidi, die größte Steinfrau Graubündens. Wie das Alpenfeuersteht sie als Symbol gegen ,, die Zerstörung von Almen, Weiden,

32 Vgl. pro vita alpina, Nr. 6, S. 1 f.

33 Haid, Hans: Vom neuen Leben. Alternative Wirtschafts- und Lebensformen inden Alpen. Innsbruck 1989, S. 180.

34 pro vita alpina, Nr. 13, S. 1.