Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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1998, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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wie die ständige Begleitung durch geschulte Delegationsleiter und Dol-metscher hinterließen ein dynamisches und grandioses, ja triumphales Bild,das sich auch in den Berichten zu Hause widerspiegelte. Der Empfang inÖsterreich war zwar oft anders als erwartet, die Schilderungen der Heim-kehrenden bereiteten dennoch den Boden für die ab 1925 einsetzendeEmigration in die Sowjetunion.

Im März 1926 brachen 210 Österreicher von Wien aus auf und erreichtennach vier Wochen das kirgisische Ksyl- Orda, das Ziel ihrer Träume. ,, Was dieDelegation bewogen haben mochte, ausgerechnet diesen öden Landstrich fürdie projektierte Musterkolonie' auszuwählen, wird wohl für immer ein Ge-heimnis bleiben.( S. 51) Zwei Jahre Planung und Vorbereitung, unzähligeÄnderungen und Behördenwege und ein großer Schwund von( ursprünglich600 projektierten) Siedlern waren dieser Auswanderung vorangegangen. Nachihrem Leiter Karl Uhl wurde das Projekt Uhlfeldkolonie genannt.Schon auf der Anreise gab es die ersten Schwierigkeiten und auchAbtrünnigen, und ein Jahr später, im März 1927, stellte die Kommune ihreTätigkeit ein. Alle nur erdenklichen Schwierigkeiten und Probleme- mitdem Klima, dem Boden, den Behörden, der einheimischen Bevölkerung,den Finanzen- und zahlreiche Streitereien in den eigenen Reihen ließen ausden visionären Plänen der arbeitslosen Österreicher ein Fiasko werden. Dastraurige Nachspiel sollte sich in späteren Jahren oft und oft wiederholen:Die Emigranten hatten größte Schwierigkeiten, in der Sowjetunion selbstän-dig Arbeit und Niederlassungsmöglichkeiten zu finden, auch die Heimreiseehemaliger ,, Uhlfelder" wurde von sowjetischen und österreichischen Stel-len nach anfänglichen Hilfestellungen bei den ersten Fällen später kaummehr unterstützt oder sogar erschwert- und einige der zurückgebliebenenehemaligen Kolonisten wurden schließlich in den Jahren des Terrors zuOpfern Stalins.

Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 machten die meisten Länder ihreGrenzen für Arbeitsemigranten dicht. Nur die Sowjetunion warb um sie undbot Spezialisten, Ingenieuren und Facharbeitern aus entwickelten Industrie-Händern wie Österreich mit Beginn des Ersten Fünfjahresplanes 1928/29Arbeitsmöglichkeiten an. Ab 1931 verzeichneten die österreichischen Äm-ter ein sprunghaftes Ansteigen von Emigranten, und bis 1933 überholte dieUdSSR sogar die traditionellen Auswanderungsländer USA, Kanada, Bra-silien und Argentinien. Erst ab 1929 wurde in Wien eine Vermittlungsstelleeingerichtet, bis dahin hatten sich Ausreisewillige via Berlin um Arbeit inder Sowjetunion zu bemühen. Diese Wiener Stelle wurde im Jahr 1933geschlossen, und damit ist auch jener Zeitpunkt markiert, von dem ab diesowjetischen Behörden kein Interesse an ausländischen Fachkräften mehrbekundeten, da man nunmehr bereits über eigene, gut ausgebildete Leuteverfügte, die politisch gesehen ein geringeres Risiko darstellten als die