1998, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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ist, gleich welcher ethnischer Herkunft sie sein mag."( cf. Grabner, S. 11).Eine Auskunft über den methodischen Zugang oder die Problemstellungeneiner Ethnomedizin, die über das Katalogisieren hinausgeht, gibt die Autorinnicht. Und wenn auch der Buchumschlag verheißt, das Werk biete ,, fürMediziner, Historiker, Volkskundler und alle, die mehr über volksmedizini-sche Phänomene wissen möchten, einen kompetenten Überblick und be-zieh( e) auch außereuropäische Medizin mit ein", so löst die Autorin dasVersprechen, Grundzüge einer ostalpinen Volksmedizin darzustellen- wor-unter ich Spezifika verstehe-, kaum ein. Die vage Eingrenzung des Themasdurch die Definition Sterlys und der doch sehr weit gefaßte geographischeund zeitliche Untersuchungsraum lassen präzise Aussagen jedenfalls kaumzu. So bleibt die Arbeit in erster Linie eine Enzyklopädie, die Stichwortefundiert abhandelt, die Fassade aber nicht berührt.
Grabner weicht der Frage nach den sozialen Bedingungen einer regionalabgegrenzten Volksmedizin aus. Weder kümmert sie sich um die interneFunktion und Genese einer regionalen und nicht institutionalisierten Heil-kunde, noch beschäftigt sie die Konfrontation dieser Heilkunde mit derzentralistisch organisierten Schulmedizin. Das Spannungsverhältnis von,, oben“ und„, unten“ wird also zur Gänze ausgeblendet, und dies wird vonder Autorin auch gar nicht verleugnet. Doch eben diese Ausblendung verhindertdie genaue Skizzierung einer spezifisch ost- alpinen Ethnomedizin. GrabnersAbsicht liegt vielmehr darin, zu zeigen, welche Vorstellungen es- vor allem im19. Jahrhundert- im östlichen Alpenraum gegeben hat und wo diese Vorstel-lungen Entsprechungen in anderen Regionen und/ oder Zeiten finden.
Ein Hauptverdienst der Arbeit liegt in der Veröffentlichung von Materia-lien aus dem Archiv des Steirischen Volkskundemuseums. Ein gut Teil derletztlich freilich nur zitierten, jedoch nicht ausgewerteten Materialienstammt allerdings nicht aus dem angekündigten ostalpinen Bereich. Grabnerverwendet eine Fülle von Materialien aus der medizinischen Literatur desMittelmeerraumes, die ihre Herkunft zum Teil im arabischen Raum haben.Neben altgriechischen bis spätlateinischen Autoren werden ethnologischeBerichte aus dem gesamteuropäischen Raum zitiert.
Gelegentlich gelingt es der Autorin, das Heranziehen dieser oft sehrunterschiedlichen Quellen mit der historischen Herleitung volksmedizini-scher Vorstellungen aus der Schulmedizin vergangener Zeiten plausibel zumachen. Wie beispielsweise das, Drachenblut' des kanarischen, Drachen-baums, das über die antike medizinische Literatur seinen Eingang in dieHeilmittelkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit gefunden hat, um –bis ins 20. Jahrhundert hinein- in den außerschulmedizinischen Heilmittel-bedarf abzusinken.
Von den Bezeichnungen einmal abgesehen, ist es der Autorin vielleichtnicht einmal den Versuch wert gewesen, ein Spezifikum dieser im Titel