Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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1998, Heft 1

Chronik der Volkskunde

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Die waldreiche nordwestliche Slowakei bot die natürlichen Vorausset-zungen für die Ausübung der Schnitzkunst, da Holz als ein vielseitigesMaterial seit langem im Alltag verwendet wurde.

In der Umgebung von Žilina diente Holz zum Bau von Wohnhäusern undWirtschaftsgebäuden, zur Erzeugung von Arbeitsgeräten, Küchen- undMilchgeschirr, Arbeitswerkzeugen und kleinen Gegenständen des täglichenGebrauchs. Schaf- und Rinderhirten, welche in der Vergangenheit die hoch-gelegenen Almwiesen intensiv nutzten, verfertigten selbst das Melkgeschirrsowie andere hölzerne Hilfsmittel und Arbeitsgeräte.

Neben dem Gebet diente auch die Anfertigung sakraler Statuen der Befrie-digung religiöser Bedürfnisse. Die Heiligenstatuen sollten Wohnstätte undHaushalt vor dem Einfluß böser Kräfte schützen, sie wurden über dem Haus-eingang und in der Stube im Herrgottswinkel über dem Tisch angebracht.

Ein besonders dankbares Gebiet für die Anwendung der Holzschnitzkunstwar der ,, Bethlehem( Krippen-) bau". Geschickte Autodidakten verfertigten,, Bethlehems" nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Familien.Die Figuren waren meist polychromiert, und die Holzschnitzer hatten beimKrippenbau die Möglichkeit, außer sakralen auch weltliche Figuren wieHirten, Bauern und Handwerker sowie Tiere anzufertigen.

Noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts war es in der Slowakei üblich,in der Weihnachtszeit zu Hause ein Bethlehem aufgestellt zu haben. DerBrauch des Umherziehens von kleinen und größeren Weihnachtsliedersängernmit einem ,, Bethlehem" durch das Dorf blieb in einigen Teilen der Slowakei bisheute erhalten. Diese ,, Bethlehems wurden gewöhnlich von den Knaben selbstgefertigt oder von Generation zu Generation weitervererbt.

Alle diese Faktoren trugen dazu bei, daß die Tradition der Schnitzkunstin den Dörfern der Region von Žilina bis heute lebendig blieb. Vor allem inden Dörfern Štiavnik, Terchová und im Tal Rajecká dolina- alle in derUmgebung von Žilina wuchsen hervorragende Schnitzkünstler auf. ImJahre 1952 wurde in der Stadt Rajec die erste Holzschnitzerschule gegrün-det.

Allen in der Ausstellung präsentierten Schnitzern ist eine Eigenschaftgemeinsam- sie wurden nicht in einer Schule ausgebildet. Viele von ihnenbegannen erst im Ruhestand, sich mit der bildenden Kunst zu beschäftigen,und ihr Bedürfnis nach schöpferischer Betätigung hatte keine wirtschaftli-chen Gründe. Eben deswegen fesseln ihre Arbeiten durch ihre Eigenart undindividuelle Aussage, aber auch durch das Bestreben, wenigstens auf dieseschöpferische Weise eine verschwindende Wirklichkeit zu bewahren, die oftmit Erinnerungen an die Kindheit verbunden ist.

Die Schnitzer aus dem Volke suchten und fanden die Themen für ihreschöpferische Tätigkeit sowohl im weltlichen als auch im religiösen Be-reich. Die gezeigten Arbeiten sprechen den Betrachter durch ihre eigenartige