Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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1998, Heft I

Chronik der Volkskunde

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he sich weniger auf die soziale Wirklichkeit dieser Region, als auf einensymbolischen Gegensatz zwischen Ost und West.

Gottfried Korff widmete sich ebenfalls der Wahrnehmung des Ostens undprägte den für die Volkskunde neuen Begriff der, politischen Olfaktorik. SeineGedanken über das Phänomen des Geruchssinns im Kontext der Wiederverei-nigung Deutschlands fanden reges Interesse. In der anschließenden Diskussionwurde dieser konkrete Kontext auch verlassen. Unter anderem ging es um dieFrage, ob der Geruchssinn als moderner oder atavistischer Sinn zu deuten sei.Korff selbst zeigte sich jedoch zurückhaltend, er sei kein Olfaktoriker und wollekeine allgemeine Kulturtheorie des Geruchssinnes entwickeln.

Andere Referenten konzentrierten sich auf die Rolle der Ethnographin-nen in der Gesellschaft. Nähe und Distanz gelten als Schlüsselbegriffe fürvolkskundliches Selbstverständnis. Einerseits streben etwa FeldforscherIn-nen nach Nähe, um eine Kultur, authentisch zu erfahren, andererseitserfordert die wissenschaftliche Auseinandersetzung Distanzierung.

Für Rooijakkers gestaltet sich das Verhältnis zu den von ihm studiertenMenschen besonders schwierig: Ihm ist bewußt, daß die Beforschten ihn,den Forscher, für einen der ihren halten, und dieses Gefühl der Nähebedrückt ihn. Da er ihre Interessen nicht vertreten kann( statt sich für dieFörderung ihrer Bräuche einzusetzen, kritisiert er die Ideologie der Brauch-trägerInnen), fürchtet er, von den Gewährsleuten des Verrats beschuldigt zuwerden. Konrad Köstlin sieht VolkskundlerInnen meist in der scheinbarunkomplizierten Rolle der Unterhalter- bisweilen fungieren sie aber auch als,, Todansager: Entweder widmen sie sich im Verschwinden begriffenen Kultu-ren und Relikten, oder ihre Untersuchungsgegenstände werden durch denProzeß der kulturwissenschaftlichen Deutung entzaubert und schließlich auf-gelöst. Gunter Bakay und Petra Streng hingegen erwarten, des, Verrats an derhehren Wissenschaft bezichtigt zu werden, weil sie ihr Wissen selbst vermark-ten. In ihrer Präsentation holten sie zu einem polemischen Rundumschlag gegendie universitäre Volkskunde aus, die sich von dilettierenden Verwertern abgren-zen möchte, vor der offensichtlichen Vermarktung von Wissen zurück-schreckt und sich lieber in den Elfenbeinturm zurückzieht.

Regina Bendix thematisierte die Verwissenschaftlichung des Alltags unddie Ästhetisierung sowie Vermarktung von Wissen. Diese Prozesse verlie-fen, so die These, im Kontext der Globalisierung, und die Ethnographiemüsse erst lernen, mit dieser Realität umzugehen. Burckhardt- Seebass nä-herte sich dem Thema, Ethnographisches Wissen als Kulturtechnik aufumgekehrtem Wege: ihr geht es nicht um die Umsetzung des Wissens,sondern darum, wie dieses aus der Alltagserfahrung gewonnen wird. Siesprach auch von der Hoffnung, die Tätigkeit der EthnologInnen könnte sichzu so etwas wie einer, Friedenstechnik" entwickeln und zum Überwindenkultureller Gegensätze beitragen.